Heim war nicht gleich Heim

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04. September 2012, 09:34 Uhr

Der Berliner Politikwissenschaftler und Theologe Dr. Christian Sachse hat Unterschiede in der Lebenssituation in den einzelnen Heimtypen der DDR analysiert. Differenziert wurde nach den Kriterien des Alters, der "Erziehbarkeit" und Bildungsfähigkeit. Zwischen 1965 und 1989 gab es demnach ca. 25 000 bis 30 000 Plätze in Normalheimen, 6000 Plätze in Spezialheimen für schwer Erziehbare und weitere 600 Plätze in gesonderten Einrichtungen .

Seit den 70er-Jahren wurden auch Minderjährige, die nach den Kriterien der Jugendhilfe in Spezialheime eingewiesen werden müssten, in Normalheime eingewiesen und umgekehrt. "Dies führte zu einer Verschlechterung des pädagogischen Klimas in Normalheimen und lieferte ,Unschuldige den Repressionen der Spezialheime aus", schreibt Sachse.

Körperliche und ehrverletzende Strafen waren seit Anfang der 1960er-Jahre per Anordnung verboten, gehörten aber zur Praxis. Die offiziellen Strafkataloge reichten von mündlichen Verweisen und Strafarbeiten über den Entzug von Vergünstigungen bis hin zur Isolation und Verlängerung des Heimaufenthalts. Inoffiziell kam es zu einer exzessiven Ausschöpfung der legalen Strafmittel, verbalen Demütigungen und Beleidigungen, Körperstrafen, Entzug von Essen und Drill bis zur physischen Erschöpfung.

(Quelle: "Heim ist Heim". Dr. Christian Sachse, Berlin)

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