Interview: Eckart von Hirschhausen : Heilen durch Lachen

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Kabarettist und Mediziner Eckart von Hirschhausen über die Wirkung von Humor und den Klinikclown als Beruf.

Der Kabarettist und Mediziner Eckart von Hirschhausen gilt als Experte zum Thema Lachen. Seine Stiftung „Humor hilft heilen“ unterstützt Humor-Projekte für junge und ältere Patienten. Er plädiert für den Klinikclown als Gesundheitsberuf. Martina Rathke sprach mit Eckart von Hirschhausen.

Welche Wirkung hat das Lachen auf kranke Menschen und die Heilung?
Hirschhausen: Ich schlage einen kleinen Selbstversuch vor: Hauen Sie sich zweimal mit dem Hammer auf den eigenen Daumen. Einmal allein – und dann nochmal in Gesellschaft. Bist du allein, tut es lange weh. Mit jemandem in der Nähe musst du lachen, und der Schmerz lässt nach. Deshalb sollten Menschen mit Schmerzen und anderen Problemen immer andere Menschen und etwas zu lachen haben. Jeder Arzt und jede Pflegekraft kennt aus eigener Anschauung die heilsame Wirkung von Hoffnung, von guter Stimmung und von Lachen.

Warum ist es wichtig, wissenschaftlich zu belegen, was uns unser Bauchgefühl bereits sagt: Lachen macht gesund?
Auf das Bauchgefühl hört im Krankenhaus schon lange kaum einer mehr. Sonst würden wir nicht die Menschen, die dort arbeiten, auspressen wie Zitronen und uns wundern, dass sie sauer sind.

Sollten Klinikclowns von den Kassen bezahlt werden?
Wie die Hospizbewegung ist die Idee der Klinikclowns etwa seit 20 Jahren Teil einer Gegenkultur zur industrialisierten Medizin. In dem Moment, wo die Clowns „Regelversorgung“ werden, wird an ihnen wahrscheinlich genauso gnadenlos gespart wie an Pflege und Therapeuten. Deshalb wird das momentan über Spenden finanziert. Der große Vorteil der Clowns: Sie stehen außerhalb der Hierarchien, sie können dorthin gehen, wo sie gerade gebraucht werden.

Wie muss die Clowntherapie aus Ihrer Sicht in die Kliniken integriert werden?
Meine Stiftung „Humor hilft heilen“ hat Qualitätsstandards definiert und hilft gern bei Weiterbildung vor Ort. Langfristig könnte hier ein neuer Gesundheitsberuf entstehen.

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