HD DVD am Ende

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19. Februar 2008, 11:48 Uhr

Düsseldorf/Berlin - Nun ist es entschieden: Toshiba hat am Dienstag bekanntgegeben, keine HD-DVD-Geräte mehr herstellen zu wollen. Hersteller, die den Opponenten Blu-ray unterstützen, dürften sich freuen. Doch für Verbraucher sollte dies noch nicht unbedingt der Startschuss sein, einen HD-Player zu kaufen.

Finger weg von Geräten im Ausverkauf
Die Ankündigung von Toshiba, dem wichtigsten Produzenten von HD-DVD-Geräten, das Format nicht länger unterstützen zu wollen, mag manchen Schnäppchenjäger dazu verleiten, so einen Player jetzt - im Preis deutlich heruntergesetzt - zu erstehen. Denn die Geräte werden oft im Paket mit mehreren Filmen angeboten. Und auch die Videotheken, die HD DVDs in den Regalen haben, würden diese wohl „nicht gleich auf den Müll schmeißen“, sagt Jörg Weinrich vom Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) in Düsseldorf.

Markt für HD-DVD-Filme am Ende
Darüber hinaus spielen HD-DVD-Player auch herkömmliche DVDs ab. Toshiba will nach eigenen Angaben außerdem den Kundendienst für Besitzer von HD-DVD-Produkten weiterlaufen lassen. „Finger weg vom Schnäppchen“, warnt jedoch Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. Es gebe keinen Nachschub mehr an neuen Filmen. „In einem halben Jahr ist der Markt leer.“

Der Streit zwischen HD DVD und Blu-ray um die Nachfolge der DVD hat viele Verbraucher davon abgehalten, sich ein Abspielgerät für hochauflösende (High Definition - HD) Filme zu kaufen. Laut der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) in Frankfurt/Main wurden in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt gerade mal rund 25 000 HD-Player verkauft.

Eine weitaus größere Zahl von HD-Laufwerken steckt in Spielekonsolen. Die Playstation 3 verfügt standardmäßig über einen eingebauten Blu-ray-Player, und Microsoft bietet für seine Xbox 360 optional ein HD-DVD-Laufwerk an. Bisher gab es von Microsoft keine Informationen darüber, wie sich das Unternehmen in Zukunft zu HD DVD verhalten wird.

Blu-ray-Player nicht immer sinnvoll
Da HD DVD nun am Ende ist, könnten sich viele Verbraucher bemüßigt fühlen, einen Blu-ray-Player zu kaufen. Das ist laut Peter Knaak von der Stiftung Warentest jedoch nicht die ideale Lösung. „Ein Blu-ray-Player ist nur sinnvoll, wenn man einen Fernseher mit Full-HD-Auflösung besitzt“, erläutert der Experte.

Mit Full HD ist eine Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln gemeint. Die meisten derzeit erhältlichen Flachbildfernseher sind HD ready, das heißt, sie bieten eine Auflösung von 1280 × 720 Pixeln. Die im Vergleich zu HD ready nochmals größere Auflösung des Full-HD-Fernsehers nehme der Anwender aber nur wahr, wenn er sehr nahe am Bildschirm sitzt, so Knaak.

Zudem zeigten sich die Warentester nicht gerade begeistert von der Bildqualität, die Full-HD-Fernseher in ihren Untersuchungen boten. Wer einen HD-ready-Fernseher, besitzt und jetzt ein neues Abspielgerät kaufen will, greift Knaak zufolge am besten zu einem herkömmlichen DVD-Player, der jedoch eine HDMI-Schnittstelle haben sollte. „Damit ist die Bildqualität spürbar besser, als über einen Scart-Anschluss.“ DVD-Spieler mit HDMI-Ausgang gibt es bereits für weniger als 100 Euro. Zudem sind DVDs deutlich günstiger als Filme auf Blu-ray. Und die DVD wird nach Knaaks Einschätzung noch über Jahre der wichtigste Filmträger sein.

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