Hausverkauf: Den Ausweis bitte

Der Energieausweis.

von
09. Oktober 2008, 08:42 Uhr

Beim Kauf einer Waschmaschinen oder einer Gefriertruhe ist die Frage nach dem Energieverbrauch schon längst selbstverständlich. Künftig wird das nach dem Willen des Gesetzgebers auch beim Erwerb oder bei der Anmietung von Immobilien so sein. Wer sein Häuschen verkaufen oder neu vermieten möchte, muss den Interessenten einen Ausweis vorlegen, der über Energieverbrauch oder -bedarf Auskunft gibt. Ab 1. Januar 2009 gilt diese Pflicht für alle Hauseigentümer. Besitzer von Gebäuden, die vor 1965 gebaut wurden, müssen den Ausweis schon jetzt vorlegen.

Wahlfreiheit für ältere Häuser endet am 30. September

Dabei stehen der wesentlich günstigere Verbrauchsausweis und der aufwändigere und damit teurere Bedarfsausweis zur Auswahl. Doch diese Wahlfreiheit endet für Gebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, für die vor dem 1. November 1977 der Bauantrag gestellt wurde und die zwischenzeitlich die Anforderungen der ersten Wärmeschutzverordnung aus jenem Jahr nicht erreicht haben, am 1. Oktober dieses Jahres. Anschließend muss für solche Immobilien zwingend der Bedarfsausweis erstell werden. Wer weder verkaufen noch vermieten möchte, muss nichts tun.

Energieausweise haben ihren Preis – allerdings kann der von Fall zu Fall stark variieren. Zum einen ist der Bedarfsausweis wesentlich teurer, weil die Datenerhebung wesentlich aufwändiger ist. Doch auch unter den Anbietern der Energieausweise gibt es große Unterschiede. Im Internet werden verbrauchsabhängige Ausweise ab 15 Euro, bedarfsorientierte ab 45 Euro angeboten. Ob sie halten, was sie versprechen, und vor allem ob sie den gesetzlichen Anforderungen genügen, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einem nicht repräsentativen Marktcheck getestet. Dabei überprüften die Verbraucherschützer nicht nur 97 Internetauftritte von Anbietern, sondern orderten auch 29 Energieausweise für ein Beispielhaus.

Falsche Angaben können Folgen haben
Das Ergebnis: Die Angebote wiesen zum Teil erhebliche Mängel aus. Zum Beispiel wurden über die Online-Eingabemaske nur in einem einzigen Fall alle 14 Pflichtdaten abgefragt. Die meisten Aussteller begnügten sich mit sieben bis 13 Angaben. Knapp die Hälfte der Anbieter erkundigte sich nicht nach bereits erfolgten Modernisierungsmaßnahmen und 41 Prozent der ausgestellten Verbrauchsausweise hielten schon einer formalen Prüfung auf Vollständigkeit und richtige Übertragung der übermittelten Daten nicht stand.

Während diese Mängel noch jeder Verbraucher selbst feststellen könne, so die Verbraucherzentrale, könnten die fachlich-inhaltliche Prüfung in der Regel nur Fachleute vornehmen. Und in diesem Punkt versagten noch mehr Angebote. 62 Prozent der Ausweise hatten Fehler in der Berechnung der Verbrauchskennwerte. Beispielsweise wurden die angegebenen Verbrauchsdaten nicht auf Plausibilität überprüft und dem Haus aus dem Jahr 1962 Neubaustandard oder sogar noch deutlich bessere Energieverbrauchskennwerte attestiert. Falsche Heizwerte für das Erdgas, falsche Klimafaktoren, falsche Berechnung der Nutzfläche und schlicht falsch berechnete Energieverbrauchskennwerte waren weitere Fehler.

Was im ersten Moment in Anbetracht der geringen Gebühr für den Ausweis weniger tragisch erscheint, kann weitreichende Folgen haben. „Übersehen wird, dass Schadenersatzforderungen, etwa nach dem Verkauf eines Hauses mit nachweislich falschem Energieausweis, um ein Vielfaches höher sein kann“, betont die Verbraucherzentrale. Käufer und Mieter, die sich getäuscht fühlen, würden zunächst den Eigentümer beziehungsweise Vermieter haftbar machen. Inwieweit den Betroffenen dann die gesetzliche Festlegung rettet, dass der Aussteller für die Richtigkeit der Angaben haftet, bleibt abzuwarten. Juristische Erfahrungen gibt es zu dieser Problematik noch nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen