Hausaufgaben nicht erledigt

svz.de von
22. Juni 2012, 07:34 Uhr

Es ist eine Analyse, die neue Stärken und alte Schwächen offenbart. Der jetzt vorgestellte Bildungsbericht zeigt, dass Deutschland im Aufbruch ist und sich mit dem immer bedrohlicher werdenden Fachkräftemangel noch nicht so recht abfinden will. Der Ansturm auf die Universitäten hält an. Kein Wunder: Das erfolgreiche Hochschulstudium gilt mehr denn je als Versicherung gegen spätere Arbeitslosigkeit. Der Bildungsbericht liefert dafür den empirischen Beweis.

Doch selbst wenn die Hochschule ihre Anziehungskraft behalten sollte: Deutschland braucht mehr qualifizierte Fachkräfte. Allein mit Zuwanderung aus den Schuldenstaaten im Süden Europas lässt sich das Problem nicht lösen.

Deutschlands Bildungs- und Kultusminister dürfen sich jedenfalls nicht damit zufrieden gegeben, dass das Bildungsniveau insgesamt gestiegen ist. Es kann niemanden zufrieden stellen, wenn weiterhin jeder fünfte Schüler in Deutschland ohne Abschluss oder ohne Basis-Fähigkeiten im Lesen die Schule verlässt. Eigentlich hatten Bildungsforscher die Problemgruppe bereits vor gut zehn Jahren nach den ersten schlimmen PISA-Ergebnissen identifiziert. Doch gelingt es immer noch nicht, diese Jugendlichen so weit zu bringen, dass sie für eine reguläre Lehrstelle fit genug wären. Die meisten von ihnen fristen daher ein frustrierendes Dasein in kostspieligen Fördermaßnahmen und Warteschleifen. Bei diesen Jugendlichen hätte bereits viel früher angesetzt und professionell gefördert werden müssen, in Kindergarten und Grundschule. Die Politik mag das inzwischen erkannt haben.

Die notwendigen Hausaufgaben hat sie aber noch lange nicht gemacht.

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