Hamburger Feuerwehr eilte zu Hilfe

Prächtig anzusehen: Der Goldene Saal vor dem Schlossbrand.  Repro: Keubke (4)
1 von 4
Prächtig anzusehen: Der Goldene Saal vor dem Schlossbrand. Repro: Keubke (4)

Vor 100 Jahren stand das Schweriner Schlosses lichterloh in Flammen / Die Rettungskräfte zeigten sich kopflos

svz.de von
09. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Der Brand des Schweriner Schlosses war wohl das einschneidendste Ereignis der Geschichte der Stadt Schwerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es passierte an einem Sonntag, dem 14. Dezember 1913. Nahezu gleichzeitig wurden um 21.30 Uhr die militärische Wache im Schloss, die städtische Feuerwehr und die Freiwillige Turner-Feuerwehr Schwerins sowie die Garnison alarmiert. Der Bäckergeselle Albert Schröder „will als Erster 5 Minuten nach 9 1/2 Uhr dem wachhabenden Offizier (der Wache im Schloss) den Brand gemeldet haben“, so seine Aussage vom 20. Dezember 1913. Sicher scheint, dass Besucher der Aufführung des „Wildschütz“ im Hoftheater und dort ihren Dienst versehende Feuerwehrleute das Feuer im Schloss mit zuerst entdeckten. Übrigens spielten der Großherzog und die Großherzogin mit einigen Damen und Herren Billard, als um 21.30 Uhr ein Diener ihnen den Ausbruch des Feuers meldete.

Als das Feuer entdeckt wurde, hatte es „bereits die Holzdecke und die Holzverkleidung des Elisabethzimmers Nr. II ergriffen und konnte durch die sofort in Tätigkeit gesetzten, im Schlosse befindlichen Hydranten und durch die Handlöschapparate nicht mehr bewältigt werden“, so berichtete der Hofbaurat Emil Liss am 19. Dezember 1913 und fährt mit der Schilderung des Brandverlaufs fort: „Das Feuer teilte sich in kurzer Zeit dem über den Fremdenzimmern gelegenen unausgebauten Saale mit, zerstörte die denselben überdeckende hölzerne Dachkonstruktion und sprang, obwohl die in den Brandmauern des Schlosses befindlichen eisernen Türen noch geschlossen werden konnten, in Folge des herrschenden starken Südwestwindes (es war Nordwestwind – d. Verf.) auf die angrenzende Haupttreppe und die nach Süden gelegenen Festräume über.“

Die Flammen schlugen zuerst aus den Fenstern des Burgseeflügels gleich neben dem Hauptportal und müssen die Decke der Elisabeth-Zimmer durchbrochen haben. Sie trafen dann auf den „unfertigen Saal“, der eigentlich für Repräsentationszwecke gedacht, aber nicht vollendet war. Da dieser Saal vor allem zur Unterbringung ausgesonderter Möbel, auch vieler gepolsteter Stühle, und noch einer großen Menge Brennholz diente, erhielt das Feuer neue Nahrung. Auch die damals üblichen Textiltapeten sowie Gardinen und Vorhänge führten zu einem weiteren Ausbreiten der Flammen. Sie verbreiteten sich über die Gobelin- und Strelitzer-Zimmer bis zum hohen Dachstuhl des Burgseeflügels.

Der stürmische Wind trieb das Feuer, begünstigt durch den Luftzug in den Gängen und Schächten, vom Burgsee- zum Schlossgartenflügel. Es gelangte in den großen Südturm. Dort explodierte etwa um 1 Uhr nachts durch das Feuer die hier aufbewahrte Jagdmunition. Wieder schlugen Flammen aus den Fenstern und aus dem Turmdach. Gleichzeitig erreichte das Feuer über die schwarze Marmortreppe den Goldenen Saal. Außerdem stürzte dort die hohe steinerne Giebelfront über dem Südportal herab und durchbrach die Decke des Saales. Die überaus reiche Ausstattung dieses prunkvollen Raumes fiel den Flammen zum Opfer. Die Anstrengungen der Schweriner Feuerwehren und anderen Helfer konnten das gewaltige Feuer nicht einschränken, geschweige denn löschen. Auswärtige Feuerwehren wurden zur Hilfe gerufen. Alle am Kampf gegen das Feuer im Schloss beteiligten Menschen schonten sich nicht. Das Hauptproblem war jedoch, dass es keine einheitliche Leitung der Lösch- und Bergungsarbeiten gab. Die Schlossbrandordnung sah zwar vor, dass nach ihrem Eintreffen die Feuerwehr der Stadt die Führung zu übernehmen hatte. Das geschah aber nicht.


Keiner übernahm das Kommando


Im Unterschied zu seinem energischen Großvater Friedrich Franz II., der 1882 beim Brand des Theaters aktiv eingegriffen hatte, gingen von Friedrich Franz IV. keine Anstöße aus, den Kampf gegen das Feuer zielgerichtet und entschlossen zu führen. Auch die höheren Militär wagten nicht, den Befehl am Unglücksort zu übernehmen. Gleiches gilt für die ebenfalls anwesenden Politiker des Landes und der Stadt. Die Führer der Feuerwehren wiederum, doch schon alt, trauten sich nicht, das Kommando über alle zu übernehmen. Es wurde mit dem Löschen begonnen, aber planlos.

Schon sehr bald stellte sich heraus, dass dieses gewaltige Feuer nicht allein durch die Feuerwehrkräfte aus Schwerin zu bewältigen war. Hilfe musste gerufen werden. Aber auf welche Art und Weise das geschah, ist fast schildbürgerhaft. Der Leutnant Kurt von Storch berichtet im bereits zitierten Schriftstück vom 17. Dezember 1913 dazu: „Das Feuer wurde bei dem Sturm immer stärker, so daß ich bald zu der Überzeugung kam, daß die Schweriner Feuerwehr alleine das Feuer nicht werde bezwingen können. Ich ging deswegen zu dem Bürgermeister Prehn und stellte ihm vor, er solle doch die Städte Rostock, Lübeck und Hamburg u.s.w. telegraphisch um ihre Dampfspritzen bitten. Er meinte zuerst, das hätte keinen Zweck, die Spritzen kämen doch zu spät. Als ich ihn auf längeres Einreden sagte, ich könne als ‚Leutnant’ doch nicht nach Hamburg telegraphieren, während er als ‚Bürgermeister’ es doch tun könne und müsse, sagte er: ‚Nu, ja, dann will ich es man tun.’“ Nachts kam Unterstützung von der Rostocker und der Hamburger Feuerwehr. Ungeheuer hoch war der durch das Feuer und zwangsläufig auch durch das Löschwasser verursachte Schaden am Schlossbau und unter dem Inventar. Bereits die Zeitungen am 15. Dezember 1913 versuchten sich in manchen Spekulationen. So schrieb die „Mecklenburgische Zeitung“ in ihrer Mittagsausgabe: „Werte, die in die Million gehen, werden durch den Brand vernichtet sein. Wenn wir recht unterrichtet sind, ist allein der Schloßbau an sich für 7 Millionen Mark versichert.“

Hoch schlugen natürlich die Wellen der Spekulation über die Brandursache. Schon das „Extra=Blatt der Mecklenburger Nachrichten“ vom 15. Dezember 1913, morgens 10 Uhr, weiß nichts genau, vermutet aber: „Ueber die Ursache, aus der der Brand entstanden sein könnte, verlautet noch nichts Bestimmtes. Das Wahrscheinlichste scheint zu sein, daß das Feuer durch Kurzschluß aufgekommen ist. Im Schloß ist erst in den letzten Tagen eine neue Lichtanlage ausprobiert worden. Ein Gerücht will wissen, der Brand sei bei Vorbereitungen für kinematographische Aufführungen entstanden; ob dem aber so ist, entzieht sich unserer Kenntnis.“

Die Brandursache konnte mit damaligen Mitteln nicht mehr festgestellt werden. Einen der wahrscheinlichsten Gründe nennen die „Hamburger Nachrichten“ in ihrer „Ausgabe“ vom 16. Dezember 1913. Danach waren die Elisabethzimmer für einen Besuch vorbereitet und Sonntagnachmittag geheizt worden. Es galt als „ziemlich wahrscheinlich, daß der Ofen beschädigt war und leicht brennbare Stoffe in der Nähe des Ofens Feuer gefangen haben.“

Zwar setzte der Wiederaufbau des Schlosses rasch ein, doch er zog sich durch Ausbruch des Ersten Weltkrieges in die Länge und wurde auch nicht mehr abgeschlossen. Am 1. September 1915 konnte noch das Richtfest gefeiert werden. Bis 1918 ließ man die Fassaden des Burgsee- und des Schlossgartenflügels wiederhergestellen. 1921 wurde das Haupttreppenhaus nach einem Entwurf des Schweriner Architekten Paul Ehmig in einer damals üblichen sehr sachlichen Form erneuert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen