Halloween wird "blutig"

Gruselig, gruseliger, blutig: Blinkende Kürbisse gehören längst zum guten Ton, die Halloween-Garde hat aber Spaß an mehr.

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31. Oktober 2011, 10:27 Uhr

Die ersten Hinweise finden sich im Schaufenster: Totenkopfmasken, Zombiekostüme, ein blutverschmierter Arztkittel. "Die Ansprüche haben sich gewandelt. Früher waren die Leute mit blinkenden Kürbissen glücklich, heute muss es gruseliger sein", erzählt Jörg Reisemann, Geschäftsführer vom Fachgeschäft Deko Behrendt in Berlin-Schöneberg. Seine Einschätzung für 2011: Halloween (31. Oktober) wird blutig.

Das gute alte Hexenkostüm sei "out". Gefragter seien Artikel wie blutverschmierte Krankenschwesternkostüme oder aufklebbare Schusswunden und Kehlenschnitte. Deko Behrendt hat auch eigene Maskenbildner, die zu Halloween ihrer Grusel-Kreativität freien Lauf lassen - mit Maden, die aus der Nase krabbeln, oder blutunterlaufenen Augen. Reisemann erklärt sich das vor allem mit dem Alter der Halloween-Garde: Die sei zwischen 18 und 30 Jahren alt und wolle es etwas "peppiger".

"Schon im März stellen wir das Sortiment für Halloween zusammen. Das ist für uns festes Programm." Festes Programm heißt, dass Deko Behrendt bereits seit 15 Jahren Halloween-Artikel verkauft. Angebot und Auswahl hätten zuletzt aber zugenommen. "In der Tat hat sich der Trend zum Halloween in den letzten Jahren verstärkt", bestätigt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE). Hoch im Kurs: Kostüme, Süßigkeiten, natürlich Kürbisse. Für den Einzelhandel diene Halloween auch als Durchlauferhitzer für das Weihnachtsgeschäft.

Bei Deko Behrendt ist es rappelvoll - und das noch eine Woche vor Halloween. An der Kasse kauft eine junge Frau gerade ein halbes Dutzend Ninja-Kostüme, Geschäftsführer Jörg Reisemann ist im Kundengespräch. "Die Palmen? Die finden Sie in unserer Karibik-Ecke." Ein eher ungewöhnlicher Wunsch kurz vor Halloween.

"Besonders beliebt sind blutige Arztkittel, blutige Krankenschwestern oder die blutige Hexe im Kurzen." Was Halloween bedeute? Es mache vor allen Dingen viel Spaß.

Weniger euphorisch ist der Psychologie-Professor Martin Schuster. Der Spaß liege vor allem beim Händler, ansonsten sei Halloween bloßer Kulturimport. "Die amerikanische Filmindustrie bringt ihren "Way of Life" nach Deutschland." Man kostümiere sich wie die feindseeligen Gestalten der US-Horrorfilme und das beflügele Aggressionen. In der Anonymität könne "man mal richtig die Sau rauslassen."

Richtig die Sau raus lassen, würden die Leute nur bei ihrer Kreativität, meint Reisemann. An Halloween schwimmen Augen in der Suppe, der Totenkopf steht auf der Kommode und die Gäste kommen, natürlich, blutüberströmt. "So eine Stimmung hat man doch sonst das ganze Jahr nicht. Wenn wir diese Artikel nicht hätten, gäbs Ramba Zamba."

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