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Gefängnis : Häftlingsfirmen sind keine Konkurrenz

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Trotz günstiger Angebote sind die Werkstätten der sechs Justizvollzugsanstalten (JVA) in Brandenburg keine ernsthafte Konkurrenz für das regionale Handwerk.

Trotz günstiger Angebote sind die Werkstätten der sechs Justizvollzugsanstalten (JVA) in Brandenburg keine ernsthafte Konkurrenz für das regionale Handwerk. Wie der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Potsdam, Ralph Bührig, sagte, können Betriebe sogar mit der Übernahme entlassener Häftlinge dem Fachkräftemangel begegnen. „Die HWK nimmt Gesellenprüfungen in den JVA-Betrieben ab“, so Bührig. Diese Betriebe seien zudem HWK-Mitglieder. Wegen ihres qualitativ und quantitativ begrenzten Angebots entstünden für das regionale Handwerk keine besonderen Wettbewerbsnachteile.

Von den gut 1400 Häftlingen in Brandenburg gehen nach Auskunft des Potsdamer Justizministeriums mehr als 800 einer Beschäftigung nach; jeder achte in JVA-Betrieben. Dazu zählen etwa die Druckerei der JVA Luckau-Duben oder die Fahrzeugwerkstatt der JVA-Bandenburg/Havel. Diese war vor einigen Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil sie das Land mehr kostet, als dass sie Nutzen bringt. „Bei der Eröffnung waren Kfz-Schlosser in Brandenburg beunruhigt“, erinnert sich Bührig. Doch eine wirkliche Konkurrenzsituation habe sich nie ergeben.

Wie es aus dem Justizministerium heißt, werde nach einem neuen Eigentümer für die Werkstatt gesucht. Es gehe zudem weniger um den ökonomischen als vielmehr um den sozialen Nutzen solcher Betriebe. „Wer arbeitet macht keinen Blödsinn“, sagt der Vorsitzende des Bundes der brandenburgischen Strafvollzugsbediensteten (BSBD), Willi Köbke. Mit der Beschäftigung könnten die Gefangenen nicht nur ihre Langeweile bekämpfen, die Arbeit sei auch wichtig für einen beruflichen Neuanfang nach der Haft.

Am beliebtesten sind nach Ansicht Köbkes handwerkliche Berufe wie Schweißer oder Tischler. Die Gefangenen erhielten dabei lediglich 15 Prozent dessen, was sie in Freiheit verdienen würden. Weitere Gewinne fließen in den Erhalt der JVA-Betriebe. Wer nicht arbeiten will, bekommt auch kein Hausgeld, so Köpke. Neben dem Verdienst könnten die Gefangenen außerdem ihre Fähigkeiten ausbauen sowie Strafvergünstigungen erwarten. Leider gebe es trotz sinkender Häftlingszahlen in der Mark nach wie vor ein Defizit an geeigneten Ausbildern. Hier sieht Willi Köbke die Politik gefordert.

Auch die IHK Potsdam stellt laut ihrem Hauptgeschäftsführer den JVA-Betrieben bei Bedarf Ausbilder zur Verfügung. „Ausbildung ist nie verkehrt“, so Bührig. Die von der IHK anerkannten Berufsabschlüsse in den JVA-Ausbildungsbetrieben hätten nach der Haft allgemeine Gültigkeit. „Unsere Handwerksbetriebe geben jedem eine Chance“, sagt Bührig.

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erstellt am 20.Jan.2014 | 12:07 Uhr

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