Gute Zahlen, schlechter Trend

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27. November 2008, 09:41 Uhr

Schwerin/Berlin | Kein goldener Herbst auf dem Arbeitsmarkt, doch immerhin: Auch im November sank die Zahl der Arbeitslosen noch einmal um 8000 oder 0,1 Prozent. Robuster Arbeitsmarkt trotz Krise? "Wir stehen also gut da. Und wir stehen vor schweren Zeiten", fasst Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) die zwiespältige Situation zusammen. Hintergründe zur Arbeitsmarktentwicklung.

Wie ist die Lage in MV? Die Arbeitslosenzahl in Mecklenburg-Vorpommern ist im November wieder leicht gestiegen. Es seien 3100 Menschen mehr arbeitslos als im Oktober, teilte die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit mit. Die Quote betrage 12,8 Prozent. Mit aktuell 112 300 Erwerbslosen sei jedoch die niedrigste Arbeitslosenzahl in einem November seit 1990 erreicht worden. Im Vergleich zum November 2007 gebe es 17 600 Arbeitslose weniger. Der Anstieg im Spätherbst ist Agenturchef Jürgen Goecke zufolge saisonbedingt. "Sie betrifft - wie in jedem November - besonders die vom Tourismus geprägten Regionen des Landes", sagte er.

Wie ist der Trend? Bisher positiv. 390 000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr kann die Bundesagentur für Deutschland vermelden, auch 8000 weniger als im Oktober. Die Kurve der Abnahme ist jedoch bereits deutlich flacher geworden. Im Winter kehrt sich saisonal bedingt der Trend stets um, diesmal wird die nachlassende Konjunktur den Negativtrend verstärken. So ist zum Beispiel die Zahl der Kurzarbeiteranmeldungen fast vier Mal so hoch wie vor einem Jahr - ein Indiz dafür, dass die Krise auf dem Arbeitsmarkt ankommen wird.

Wie sind die Prognosen? Im Winter wird mit einem geringeren Anstieg der Arbeitslosigkeit als in früheren Jahren gerechnet. 250 000 bis 350 000, je nach Witterung, statt früher bis zu 500 000 mehr. Im Frühjahr wird ein Sinken unter die Drei-Millionen-Marke allerdings wegen der Konjunkturschwäche nicht erwartet. Für den Fall eines Nullwachstums der Wirtschaft rechnen die Arbeitsmarktforscher mit 30 000 Arbeitslosen mehr im Jahresschnitt 2009, bei einem Schrumpfen um 0,5 Prozent rechnen sie mit einem Anstieg um 130 000 im Jahresschnitt. Allerdings startet das Jahr 2009 auf niedrigem Niveau, um dann voraussichtlich zum Jahresende hin immer weiter zu steigen. So rechnet das Nürnberger IAB zum Jahresende 2009 mit 500 000 Arbeitslosen mehr als zum Jahresende 2008.

Wirkt das Konjunkturpaket? Das ist ungewiss. Mit der Kfz-Steuerbefreiung wird beispielsweise versucht, die besonders gebeutelte Automobilindustrie zu stützen. Doch wie viele Autokäufe sich dadurch anregen lassen, wie viele Arbeitsplätze gesichert werden könnten, vermag auch die Regierung nicht zu sagen. Bereits am 5. Januar will die Koalitionsspitze die Lage bewerten und über eventuelle zusätzliche Maßnahmen entscheiden - was nicht für das Zutrauen in die bisherigen Maßnahmen spricht. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, die Teil des "Schutzschirms für Arbeitsplätze" ist, bietet die Chance, Arbeitnehmer länger im Betrieb zu halten, auch wenn übergangsweise nicht genügend Aufträge da sind. Das entlastet die Arbeitslosenstatistik, die Bundesagentur will Kurzarbeitszeiten aber auch verstärkt zur Qualifizierung der Mitarbeiter nutzen.

Was hilft dem Arbeitsmarkt? Die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Regierung, aber auch Strukturreformen in den Betrieben werden als Gründe genannt, warum der Abschwung weniger stark auf den Arbeitsmarkt wirken soll. Bis zu 15 Prozent Auftragsverlust könnten Firmen heute vertragen, ohne sich von ihrer Kernbelegschaft trennen zu müssen, sagt BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Allerdings dürfte auf dem größer gewordenen Sektor der Zeit- und Leiharbeit die Krise schnell und deutlich zu spüren sein. Ob die Arbeitslosigkeit durch die Hartz-Reformen und andere weniger stark als in früheren Abschwungphasen steigt, wird sich ohnehin erst im Nachhinein zeigen. Klare Entlastung kommt jedoch von der demografischen Entwicklung. Allein um 130 000 Personen wird das Angebot an Arbeitskräften im kommenden Jahr abnehmen. Vergleichsweise starke Jahrgänge gehen in Rente, geburtenschwache betreten den Arbeitsmarkt. Eine Entwicklung, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anhalten wird. Eintrübung trotz RekordtiefArbeitslosenzahl liegt im November erneut knapp unter drei Millionen

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