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20. November 2017 | 14:57 Uhr

Gute Pflege, aber Gitter vor dem Bett?

vom

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2012 | 06:59 Uhr

Die Qualität der Betreuung in Pflegeheimen und ambulanten Einrichtungen hat sich nach Untersuchungen des medizinischen Dienstes der Krankenkassen zwar verbessert. Doch gibt es weiter gravierende Mängel. Und sogenannte freiheitseinschränkende Maßnahmen stehen in der Kritik: Jeder fünfte Heimbewohner hat ein Gitter vor dem Bett oder wird etwa mit Gurten fixiert.

Hintergründe zum aktuellen Qualitätsbericht in der Pflege und Fragen und Antworten zur Bewegungsfreiheit der Heimbewohner von Christoph Slangen.

Hat sich die Pflege und Betreuung insgesamt verbessert?

Ja. Der medizinische Dienst der Krankenkassen hat über 106 000 Patienten in Augenschein genommen, davon 62 000 in Heimen. So ist der Ernährungszustand bei 95 Prozent der Heimbewohner in Ordnung. Doch auch wenn es nur bei fünf Prozent Mängel gibt, bedeutet das bezogen auf alle 700 000 Bewohner in stationären Einrichtungen, dass rund 35 000 Menschen Probleme haben. Verbesserungen bei der Unterstützung beim Essen und Trinken für Demente oder Menschen mit Schluckbeschwerden gab es. Doch in 97 000 Fällen halfen sie noch immer nicht genügend.

Etwa 100 000 von 420 000 Heimbewohner mit Demenz-Erkrankungen erhielten zu wenig Zuwendung. Bei zwei von drei Demenzkranken achteten die Pfleger nicht ausreichend auf ihr Wohlbefinden.

Nur 4,4 Prozent leiden unter Wundliegen (Dekubitus), bei einem Viertel könnte die Wundversorgung allerdings verbessert werden.

Nimmt der Pflegebedarf zu?

Nach Expertenansicht läuft allein jede zweite Frau und jeder dritte Mann Gefahr, an Demenz zu erkranken. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis 2030 von 2,4 auf 3,4 Millionen ansteigen.

Warum werden viele Heimbewohner fixiert?

Sturz- und Verletzungsgefahr spielt eine große Rolle. Entsprechend sind Bettgitter laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen die häufigste Maßnahme. Aber auch das Angurten im Bett oder im Rollstuhl werde angewendet. Hinzu kommen Therapietische, die ein Aufstehen aus dem Rollstuhl verhindern. Jeder Fünfte ist laut Krankenkassen betroffen, bei 700 000 Heimbewohnern also 140 000. Für jeden Zehnten der Betroffenen fehle gar die entsprechende Erlaubnis. "Arzt und Amtsrichter müssen genehmigen", sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandesprivater Anbieter von Pflegedienstleistungen. Die Maßnahmen seien zeitlich befristet. "Es ist ein Schock für jemanden, der fixiert wird", kritisiert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK.

Lässt sich das Angurten vermeiden?

Wenn man besonders Sturz- oder Weglaufgefährdeten rund um die Uhr eine Betreuung zur Seite stellen könnte, wäre es wohl möglich, auf Bettgitter oder Gurte zu verzichten.

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