Splitter : Gut Holz in Seedorf

Kegler statt Wetterhahn auf dem Haus von Kurt Wilke.
Kegler statt Wetterhahn auf dem Haus von Kurt Wilke.

Keglerdorf hat mehr Vereinsmitglieder als Einwohner

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01. Juni 2016, 09:00 Uhr

Das kleine Dörfchen Seedorf, 1336 erstmals als „to Sedorpe“ schriftlich erwähnt, liegt zwischen Eldenburg und Breetz an der Landesstraße 137 in Richtung Dömitz. Direkt durch den Ort schlängelt sich der Elbenebenfluss Löcknitz. Die Menschen leben hier größtenteils von der Landwirtschaft und vom Tourismus.

Gleich hinter dem Ortseingangsschild weist eine noch größere und überdachte Hinweistafel Besucher und Durchreisende darauf hin, dass es sich hier um ein Keglerdorf handelt. Denn deutschlandweit bekannt wurde der Ort durch die Erfolge des Sportvereins „Löcknitzstrand“ Seedorf von 1919. Kuriosum: Das Dorf selbst hat nur 66 Einwohner, der Verein aber 106 Mitglieder. Und da erscheint es fast schon logisch, dass sich auf dem Hausdach des Vereinsvorsitzenden Kurt Wilke in direkter Nachbarschaft mit der Kirche auch kein herkömmlicher Wetterhahn, sondern ein Windrichtungsgeber in Form eines Keglers dreht.

Und auch das gesellschaftliche Treiben im Ort spielt sich hauptsächlich auf der Bundeskegelbahn ab. Hier trainieren zwei Herren- und zwei Seniorenteams und die Jugendmannschaft und tragen ihre Wettkämpfe und Meisterschaften aus. Gerade erst ist die erste Herrenmannschaft, Deutscher Vizemeister 2012, nach einem Jahr Abstinenz wieder in die 1. Bundesliga aufgestiegen.

„Die Seedorfer Kegler bestimmen das Leistungsniveau im Land mit. Ohne die Sponsoren, die uns schon seit Jahren zur Seite stehen, wäre das alles aber so nicht möglich“, sagt Wilke.


Namensgebende Burg aus dem 14. Jahrhundert

Das derzeit 96 Einwohner zählende Dorf Eldenburg liegt etwa drei Kilometer nordwestlich von Lenzen an der Kreisstraße nach Dömitz. Die namensgebende Burg wurde vermutlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts für die askanischen Markgrafen Otto und Hermann erbaut, um die Grenze nach Mecklenburg zu sichern. Vom 15. bis in das 18. Jahrhundert hinein war sie im Besitz der Quitzows. Nach mehreren Bränden und Umbauten ist heute von der mittelalterlichen Burg nicht mehr viel zu sehen. Übriggeblieben sind der quadratische Burgturm (Quitzowturm) mit Verlies, einige Mauerreste am Boden, der Gutshof sowie Teile des Burggrabens. Das an den Turm angebaute Haus, der sogenannte Speicher, ist wesentlich jünger. Er enthält Versammlungsräume sowie ein Bauernmuseum mit einer historischen Sammlung von Arbeitsgeräten für Feld, Stall und Haus und gibt einen Einblick in die dörfliche Lebenswelt von vor 1900 bis 1960. Auf dem Gutshof findet am 29. Mai ab 13 Uhr das alljährliche Parkfest statt.

Die ehemalige Gaststätte „Alte Schmiede“ ist zu einem Dorfgemeinschaftshaus um- und ausgebaut worden. Als Reitstation zwischen dem mecklenburgischen Landgestüt Redefin und dem brandenburgischen Landgestüt Neustadt/Dosse bietet die „Alte Schmiede“ Unterbringungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter.

Der benachbarte Ortsteil Moor tauchte 1423 zum ersten Mal in Chroniken als „zu der Mure“ auf. Derzeit leben in dem hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehhandel geprägten Dorf 20 Einwohner.
 

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