Großdemo der DVD-Werker

Zusammen wollen sie sich gegen die Übernahme durch einen umstrittenen Investor wehren: die Betriebsrats-Angehörigen Dagmar Karnasch und Jürgen Thiergart (r.) sowie Landrat Erhard Bräunig (SPD). Foto: Michael Schmidt
Zusammen wollen sie sich gegen die Übernahme durch einen umstrittenen Investor wehren: die Betriebsrats-Angehörigen Dagmar Karnasch und Jürgen Thiergart (r.) sowie Landrat Erhard Bräunig (SPD). Foto: Michael Schmidt

Die bislang von Landes- und Bundespolitikern im Stich gelassenen Mitarbeiter des insolventen DVD-Werkes in Dassow gehen auf die Straße. Sie planen morgen eine Großdemonstration und wollen ähnlich wie die Nokia-ner aus Bochum gegen den drohenden Verlust von hunderten Arbeitsplätzen demonstrieren.

von
28. Januar 2008, 08:18 Uhr

Dassow - Anlass für die Protestaktion ist eine drohende Übernahme durch aggressive Finanzinvestoren. Diese seien nicht am Erhalt des Standortes Dassow interessiert. Das sagte gestern der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Thiergart. Er fürchtet im Falle dieser Übernahme, dass das Werk platt gemacht wird und alle 1100 Arbeitsplätze bis Ende des Jahres verloren gehen. Der umstrittene Bieter habe nur das Ziel, an Produktionsrechte und Großkunden wie Universal Pictures zu gelangen.

„Die Heuschrecken sind hier“, warnte gestern Nachmittag auch Landrat Erhard Bräunig (SPD) auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz im Dassower DVD-Werk. „Bei Nokia im Bochum gibt es einen sichtbaren Gegner. Hier ist Krieg. Es wirken Kräfte im Hintergrund, die man nicht sieht“, sagte Bräunig. Er nahm auch das Land und den Bund in die Pflicht. Was hier ablaufe, sei eine Schande. „Das Land muss eingreifen oder hier werden 1100 Menschen auf die Straße gejagt wie Hunde“, so Bräunig.
Insolvenzverwalter Marc Odebrecht führt derzeit Abschlussverhandlungen mit zwei Bietern. Eine Entscheidung soll bereits am Donnerstag fallen. Der Betriebsrat appelliert an den Gläubigerausschuss, einem der Kaufinteressenten einen achtwöchigen Aufschub zu gewähren. Diese Fristverlängerung würde ihm die Chance für ein überarbeitetes Finanzierungskonzept eröffnen. Ansonsten laufe alles auf den einen, umstrittenen Bieter hinaus.

Mitglieder des Betriebsrates und Vertreter des Landkreises machten sich noch gestern Abend auf den Weg in die Staatskanzlei nach Schwerin. Dort forderten sie die Unterstützung vom Land ein. „Zu der Großdemonstration in Dassow ist am Mittwoch auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen. Hier drohen Familien ins Bodenlose zu fallen“, sagte Thiergart. Seine Kritik richtet er auch an die Landesregierung: „Wo sind Herr Seidel und Herr Ebnet? Wir sehen nicht ein, dass wir hier als Menschen zweiter Klasse behandelt werden.“ Bislang hatte sich kein Bundes- oder Landespolitiker im insolventen Dassower DVD-Werk blicken lassen. Es habe nicht einmal eine telefonische Nachfrage gegeben, ob man helfen könne. Thiergart: „Das ist frustrierend.“

Die Situation des insolventen DVD-Werkes ist dramatisch. Noch bis Ende des Monats reicht das Geld, um Mitarbeitern den Lohn zu zahlen. Danach, so die Hoffnung der DVD-Werker, springt das Land ein. Etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro werden benötigt, um bis zum Ablauf des geforderten Zusatzfrist und dem erhofften Neustart Kurs halten zu können.

Den Vorwurf zu spät zu reagieren und Proteste zu organisieren, wies der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Thiergart zurück. Man habe potentielle Bieter nicht abschrecken wollen. „Jetzt geht es um eine ganze Region“, so Thiergart. Beginn der einstündigen Demo auf der B 105 in Dassow ist morgen um 14.30 Uhr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen