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Cottbuser Ostsee : Größter See in der Mark entsteht

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Läuft alles nach Plan, könnte das riesige Baggerloch vor den Toren von Cottbus ab 2018 gefüllt werden.

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erstellt am 09.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Beim Anblick der riesigen Sandwüste fällt es schwer, sich vorzustellen, dass hier schon bald der größte künstlich geschaffene See Deutschlands entstehen soll – mit Badestränden, Bootsanlegeplätzen und glasklarem Wasser. Noch ist der Cottbuser Ostsee eine Vision – und der Tagebau vor den Toren der Stadt Realität. Doch schon Ende nächsten Jahres sollen die Vorbereitungen für die Flutung der Grube beginnen.

Dann wird Vattenfall die letzte Braunkohle aus dem Tagebau Cottbus-Nord gefördert haben, seine Geräte aus dem Restloch geholt und die Förderbrücke F34 gesprengt haben, weil sie nicht mehr gebraucht wird, wie Vattenfall-Referentin Birgit Schroeckh sagt. Danach wird das Restloch saniert. Schroeckh formuliert es so: „Bevor das Wasser reinlaufen kann, muss die Badewanne noch ein bisschen ausgebaut werden.“ Die Böschungen rund um die Grube müssen begradigt, die künftigen Ufer gesichert, Strände, Buchten und Inseln angelegt werden.

Die Sanierer kommen von zwei Unternehmen. Hintergrund ist, dass Cottbus-Nord sowohl zu DDR-Zeiten als auch nach der Wende aktiv war. Und so ist die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bergrechtlich vor allem auf der Ostseite zuständig – für den Bereich aus den Jahren 1981 bis 1990 – und der spätere Tagebaubetreiber Vattenfall für den Rest. Bei der Flutung des Restlochs aber wird Vattenfall Regie führen. Im Herbst will das Unternehmen die Unterlagen für das wasserrechtliche Verfahren beim zuständigen Landesbergamt einreichen. Damit wird der Konzern Neuland betreten. Denn die bisher geschaffenen Seen im Lausitzer Seenland sind allesamt aus DDR-Tagebauen hervorgegangen und werden deshalb in jeder Hinsicht von der LMBV verantwortet.

Läuft alles nach Plan, könnte das riesige Baggerloch vor den Toren von Cottbus ab 2018 gefüllt werden. Vattenfall will überwiegend Spreewasser nutzen, wie Ingolf Arnold, der Chef-Geotechniker des Konzerns, erklärt. Grundwasser wird nur einen geringen Teil der Gesamtmenge ausmachen. Wie lange die Flutung dauert, hängt vor allem davon ab, wie viel Wasser die Spree führt. Bei Niedrigwasser kann der Fluss nicht angezapft werden. Rein theoretisch könnte der See nach sechs Jahren vollgelaufen sein. Praktisch soll sich die Kohlegrube bis spätestens 2030 in einen rund 1900 Hektar großen, nutzbaren See verwandelt haben.

Das Spreewasser eigne sich sehr gut, um für eine nachhaltig gute Wasserqualität zu sorgen, erläutert Arnold. Bedenken, in den See könnte braune Brühe fließen, hält er für unberechtigt. Tatsächlich führt die Spree am Zulauf für den Ostsee klares Wasser – vor allem dank der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße). Die Staumauer einige Kilometer südlich von Cottbus agiert als Schutzschild, das das Weiterfließen von Eisenocker – einem Überbleibsel stillgelegter Tagebaue in Sachsen – flussabwärts verhindert.

Doch mit der Sanierung der Grube und ihrer Flutung ist es nicht getan. Pläne zum Beispiel zur Gestaltung der Strandbereiche oder zum Bau von Straßen liegen längst auf dem Tisch. In den kommenden Jahren soll es mit der Umsetzung losgehen. Für Cottbus gilt, die größte Stadt der Region mit dem größten See der Region zu verbinden, um möglichst viele Einheimische, Urlauber und Ausflügler anzulocken.

Den Menschen vor Ort macht der künftige See  nicht nur Hoffnung, sondern auch Sorgen. Vor allem davor, dass die Wassermassen für feuchte Keller sorgen könnten.  Geotechniker Arnold bleibt zuversichtlich, dass sich „die Menschen  mit dem See anfreunden werden“. Er spricht von einem „wunderschönen See, der die Entwicklung von Cottbus nachhaltig prägen“ wird.

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