Grabenkämpfe vor der Buga

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23. Mai 2008, 05:49 Uhr

Schwerin - Gartenparadies oder Naturzerstörung? Der Graben zwischen den Planern der Bundesgartenschau 2009 und Umweltaktivisten ist tiefer als der Schweriner See. Daran haben auch die gerichtlichen Vergleiche nicht viel geändert, wie jetzt bei einem „alternativen Buga-Spaziergang“ der Bündnisgrünen in der Landeshauptstadt deutlich wurde.

„Das ist ein schönes Bild“, sagt Arndt Müller. Gerade hat der Biologe vom BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) noch darauf hingewiesen, dass der Schweriner See europäisches Vogelschutzgebiet ist, da steigt über dem angrenzenden Burgsee eine Flussseeschwalbe auf. Sie kommt nicht das erste Mal wie gerufen. Der „alternative Buga-Spaziergang“ vor zwei Jahren begann mit exakt der gleichen Szene. Und doch ist diesmal einiges anders. Rund 40 Schweriner haben sich zu der Begehung des Buga-Geländes unter ökologischen Gesichtspunkten versammelt – doppelt so viele wie 2006.

„Rückwärtsgeführte Diskussion“
Unter ihnen befinden sich allerdings auch etliche Vertreter der Buga GmbH, die sich gleich zu Beginn ein Wortgefecht mit den Organisatoren liefern. Man wolle sicherstellen, dass bei der Begehung „nicht wieder falsche Tatsachen oder Projekt-Zuständigkeiten“ wiedergegeben würden, meint Reinhard Henning, Technischer Leiter der Buga.

Sabine Ohse vom Kreisverband der Grünen weist hingegen darauf hin, dass die Buga-Planer ihre eigenen Veranstaltungen für Informationen nutzen könnten. Die heutige Führung, die bewusst „alternativ“ heiße, habe der beauftragte Referent Arndt Müller, betont Ohse. Es wird nicht die letzte Auseinandersetzung bei diesem Spaziergang gewesen sein.

Die größten Meinungsverschiedenheiten endeten zwar bislang mit gerichtlichen Vergleichen. Doch die Fronten sind weiterhin verhärtet. Beispiel Burgsee: Die Naturschützer sehen Tiere und Pflanzen durch den Ausbau gefährdet, die Planer halten die Ausbaggerung und die vorgesehene „Schwimmende Wiese“ – eines der Herzstücke der Gartenschau – dagegen für umweltverträglich.

Durch den Vergleich ist das Westufer des Burgsees jetzt von Eingriffen weitgehend ausgenommen. Angesichts der Umstände sei dies zwar zufriedenstellend, räumt Müller während des Spaziergangs ein. „Aber es hätte Alternativen gegeben“, betont er. Für Buga-Chef Jochen Sandner ist das eine „rückwärtsgeführte Diskussion“. „Die Dinge sind entschieden“, sagt er kopfschüttelnd. „Es gibt keinen Gestaltungsspielraum mehr.“

Zukunftsfragen beschäftigen wiederum Fennecke Strothmann. Die 20-Jährige bemängelt, dass Jugendliche den Schlossgarten nicht mehr uneingeschränkt nutzen können und später auf den „Garten des 21. Jahrhunderts“ ausweichen sollen. „Wir sind doch nicht alle randalierende Punks“, sagt sie. Die Stadt müsse sich nicht wundern, wenn junge Leute Schwerin verlassen.

Die Einschränkungen für Radfahrer im Vorfeld der Buga sollen indes möglichst gering sein, wie ein Landesvertreter auf Nachfrage versichert. Das gestohlene Radverkehrsschild im Schlossgarten werde umgehend ersetzt.

Söffker wirbt für konstruktiven Dialog
Als Müller eine andere Frage nicht beantworten kann und in seinen Unterlagen blättert, kommt es fast zum Eklat. „Hilfloses Stochern“ und „fehlender Sachverstand“, sticheln die Buga-Planer. „Wie treten Sie überhaupt hier auf?“, wehrt sich der Referent. Grünen-Landesgeschäftsführer Ulrich Söffker muss einschreiten und die erhitzten Gemüter beruhigen. Er wirbt für einen konstruktiven Dialog in den verbleibenden Monaten vor der Buga.

Dies sei in der Vergangenheit „leider versäumt“ worden, kritisieren die Grünen.
Doch nach einem Burgfrieden sieht es noch lange nicht aus. Das wird deutlich, als die Gruppe das Moorgebiet „Karausche“ erreicht, Mittelpunkt des jüngsten Vergleichs. Hier soll der „Naturgarten“ mit grünem Klassenzimmer enstehen. „Ein unnötiger Eingriff in Flächen, die sich jahrzehntelang ungestört entwickeln konnten“, findet Müller. Die Entwässerung per Graben widerspreche dem Moorschutzprogramm des Landes.

Die Befürworter halten dagegen, dass es unabhängig von der Buga Vernässungsprobleme im Umfeld gebe. Zudem sei der „Naturgarten“ doch gerade ein geeigneter Platz für Umweltvermittlung mit Hilfe von dezenten und zeitlich begrenzten Eingriffen, so Sandner. Das Grabensystem war früher schon da, sagt er. Stimmt nicht, sagt Müller.

Klar ist damit vor allem eines: Der Graben zwischen Buga-Planern und Umweltaktivisten wird wohl auch künftig noch da sein.

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