Gomolka geht in Rente - Nach 15 Jahren EU-Parlament zieht sich der erste Regierungschef Mecklenburg-Vorpommerns aus der Politik zurück

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29. Mai 2009, 11:24 Uhr

Loitz - Von der Terrasse seines neuen Wohnhauses aus schweift Alfred Gomolkas Blick über das Peenetal. Durch die Wiesen der Niederung watet ein Storch. Am Waldrand grasen Rehe. Das unverbaute Flusstal sei sein Rückzugsgebiet, sagt der 66-Jährige. Manchmal streife er mit dem Schlauchboot durch die Seitenarme der Peene. Ein Vergnügen, das er sich künftig öfter gönnen kann: Nach 15 Jahren im EU-Parlament zieht sich Mecklenburg-Vorpommerns erster Ministerpräsident (CDU) in den Ruhestand zurück.

Mit den Widrigkeiten der Politik hat Gomolka längst seinen Frieden geschlossen. Genau 500 Tage und eine Woche habe er einst in der Staatskanzlei regiert. Das wisse er noch genau, weil er jeden Tag im Amt ein Kreuz in seinem Kalender gesetzt habe. „Jedes Kreuz sollte für einen neuen Erfolg für das Land stehen. Dann kam der Putsch und die Kreuze blieben aus“, erinnert sich der Ex-Regierungschef, der im Frühjahr 1992 gegen den Rat von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seinen Justizminister Ulrich Born (CDU) wegen Illoyalität gefeuert und damit seinen eigenen Sturz provoziert hatte.

Zur selben Zeit rutschte der Schiffbau in die Krise. Gomolka war seinerzeit der Einzige, der sich gegen den Komplettverkauf von Ostwerften an den Bremer Vulkan gestemmt hatte. „Ich fürchtete, dass die Fördergelder im Westen versickerten“, sagt er und fügt hinzu: „Manchmal ist es nicht schön, Recht zu behalten!“ Vier Jahre später meldete der Vulkan Konkurs an, die 850 Millionen Mark für die Modernisierung der Betriebe waren verschwunden. Dass die Gelder 1998 ein zweites Mal flossen, daran hatte auch Gomolka seinen Anteil. „Damals haben wir fraktionsübergreifend in Brüssel Mehrheiten organisiert, damit der EU-Rat die zweite Beihilfe genehmigte.“

Die Rettung der Ostwerften gehört ebenso zu den Erfolgen im politischen Leben des CDU-Politikers wie der gelungene EU-Beitritt ehemaliger Ostblockstaaten. Als Parlamentarier hatte er seine Erfahrungen an seine Kollegen im Baltikum weitergegeben, damit zum Beispiel Lettland eine EU-konforme Verfassung zur Staatsbürgerschaft annahm und eine stabile EU-Außengrenze im Osten entstand. Nach der EU-Erweiterung müsse nun aber umgesteuert werden zu einer Vertiefung der Beziehungen, fordert Gomolka. „Wir müssen nun notwendige Institutionen schaffen wie einen Außenminister und einen Präsidenten, der nicht alle halben Jahre wechselt.“ Nur so könne man der zunehmenden Europaskepsis vieler Menschen begegnen, sagt Gomolka.

Auch herbe Niederlagen blieben dem aus Greifswald stammenden Geografieprofessor in Brüssel nicht erspart. Am schmerzlichsten sei wohl das Scheitern der ITER-Bewerbung gewesen, gesteht er. Als Vorsitzender im Förderverein hatte er jahrelang dafür gekämpft, dass das weltweit ausgeschriebene milliardenschwere Kernfusions-Forschungsprojekt am ehemaligen KKW-Standort in Lubmin gebaut werde.

Der Ausstieg aus dem politischen Tagesgeschäft ist für Gomolka, der im Juli 67 wird, beschlossene Sache. Allenfalls eine Mitarbeit in einem Seniorenrat könne er sich vorstellen, falls dies gewünscht sei. Wenn sich die Gelegenheit biete, würde der ehemalige Dozent der Universität Greifswald und Experte für Küstendynamik auch gern wieder wissenschaftlich tätig sein.

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