Glatteiskurse für Ausländer

Viele Lkw-Fahrer sind mit den winterlichen Verhältnissen auf Norwegens Straßen überfordert und landen allzu oft  im Sraßengraben.  Fotos: Marius Kallestad (l.)/Statens Vegvesen (r.)
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Viele Lkw-Fahrer sind mit den winterlichen Verhältnissen auf Norwegens Straßen überfordert und landen allzu oft im Sraßengraben. Fotos: Marius Kallestad (l.)/Statens Vegvesen (r.)

Norwegens Landschaft ist schön, aber im Winter für viele Autofahrer ein Alptraum: Jetzt soll es spezielle Schulungen geben

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Kaum ist der erste Schnee gefallen, da häufen sich die Schlagzeilen in den norwegischen Tageszeitungen: „Polnischer Fahrer verliert Kontrolle auf eisglatter Fahrbahn“, „Monstertruck aus Schweden fährt sich fest“. Bis zu 40 Prozent der Lastwagen, die auf norwegischen Straßen unterwegs sind, werden von ausländischen Fahrern gelenkt, und für viele ist der Winter mit Schnee und Glatteis in der bergigen Landschaft eine Überforderung. Ihre 40- bis 50-Tonner rutschen von der Straße, stellen sich quer oder kommen gar nicht mehr vom Fleck. Nun fordert der Verband der Spediteure auch für ausländische Fahrer Schulungen für die besonderen Verkehrsbedingungen im Land.

Auch für Norweger ist der Winter kein Kinderspiel, doch sie lernen das Fahren auf Schnee und Glatteis, wenn sie ihren Führerschein machen. Ausländische Fahrer sollen deshalb nachträglich geschult werden, fordern die Spediteure. „Unternehmen, die auf dem norwegischen Markt operieren, müssen dafür sorgen, dass ihre Fahrer die Kompetenz haben, mit unseren winterlichen Straßenverhältnissen klar zu kommen, egal ob es norwegische oder ausländische Fahrer sind“, sagt Geir Mo, der Direktor des Verbandes.

„Man kann nicht einfach im Winter nach Norwegen fahren, ohne das vorher geübt zu haben“, sagt auch Thorsten Rathje. Der Transportunternehmer aus Langenhorn in Nordfriesland ist seit 17 Jahren mit seinem LKW im Norden unterwegs und hat viel erlebt. Doch die Meldungen findet er oftmals übertrieben. „Ich sehe immer wieder, dass Fahrer mit ihrem Laster stecken bleiben, aber an der Nationalität kann man das nicht festmachen.“

Und tatsächlich lässt es sich nicht an Zahlen festmachen, dass ausländische Lastwagenfahrer häufiger in Unfälle verwickelt sind als norwegische. „Ausländische Fahrzeuge sind wirklich nicht so oft in Unfälle verwickelt“, stellt Frits Karslen vom staatlichen Verkehrswesen klar. „Aber sie bleiben an den Berghängen liegen, und das hat häufig gravierende Konsequenzen, weil keiner an ihnen vorbeikommt.“

Der Unterschied zwischen Ausländern und Norwegern sei vielleicht, dass die Ausländer stecken bleiben, die Norweger eher weiterführen und sich dabei überschätzten, meint Kirsten Steenberg von DB Schenker Norwegen. Jeden Tag sind im Auftrag des Unternehmens der Deutschen Bahn 1100 LKW in Norwegen unterwegs. „Wir stellen hohe Anforderungen an unsere Subunternehmer, wenn es um den Zustand des Fahrzeugs und die Kompetenz des Fahrers geht“, betont Steenberg. Natürlich wäre es schön, wenn alle europäischen Länder Glatteiskurse anböten, so Steenberg weiter, „aber das hilft auch nicht, wenn die Erfahrung fehlt“. Und die bekomme man nur, wenn man regelmäßig auf norwegischen Straßen fahre.

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