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Giftmüll gestoppt - Sellering lenkt nach Protesten ein

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erstellt am 29.Nov.2011 | 06:40 Uhr

Schwerin | Die geplanten Asbesttransporte aus dem niedersächsischen Wunstorf zur Deponie Ihlenberg in Nordwestmecklenburg sind vorerst gestoppt. Die Landesregierung in Schwerin hat gestern beschlossen, zunächst ein eigenes Rechtsgutachten in Auftrag zu geben. Dies solle "so schnell wie möglich" geschehen, wie Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach der Kabinettssitzung sagte.

Die niedersächsischen Behörden hatten die Verschiebung des Asbestmülls in der vergangenen Woche zwar genehmigt. Man habe allerdings rechtliche Zweifel, ob die Transporte mit den vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen über diese Strecke zulässig seien, sagte Sellering. Denn das Oberverwaltungsgericht Lüneburg habe vergleichbare Transporte vor zwei Jahren schon einmal gestoppt. Damals hieß es unter anderem, dass Asbestschlamm nur in "Big Bags" - also komplett verpackt - transportiert werden darf. Bei dem jetzt geplanten Transport per Lkw ist jedoch nur eine Abdeckung mit einer Plane vorgesehen. Gegner befürchten deshalb Gesundheitsgefahren für Anwohner entlang der Strecke und Deponiemitarbeiter, weil krebserregende Asbestfasern freigesetzt werden könnten.

Die landeseigene Deponie habe nun zugesagt, bis zum Vorliegen des Gutachtens keine Asbesttranporte anzunehmen, so Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU).

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Bürgerinitiative "Stoppt die Deponie Schönberg", die zum wiederholten Mal vor der Staatskanzlei demonstriert hatten, sorgte die Entscheidung für Jubel. "Das ist ein Teilerfolg", sagte Arndt Müller vom BUND. Letztlich hoffe man aber, dass die Transporte gar nicht stattfinden werden. "Es besteht kein akuter Sanierungsbedarf der Asbesthalde in Wunstorf", so Arndt. Er forderte Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) auf, die Gefahren durch Asbest transporte durch Umweltmediziner klären zu lassen.

Hedlef Uilderks von der Bürgerinitiative betonte, dass es bei Asbest keine Grenzwerte gebe, wenn eine einzelne Faser ein Lungenkarzinom hervorrufen könne. Die Testfahrten seien deshalb eine "Verblödung der Menschen" gewesen.

Ursprünglich sollten aus Niedersachsen 145 000 Tonnen asbesthaltigen Materials nach Mecklenburg und 25 000 Tonnen nach Schleswig-Holstein transportiert werden.

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