Gezwitscher im Netz

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Twittern (Zwitschern) nennt sich der neue Trend aus den USA, der ICQ, StudiVZ und Facebook den Kampf um die Vorherrschaft in der Onlinekommunikation angesagt hat. Der Grundgedanke dahinter: Was machst Du gerade?

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24. Februar 2009, 11:39 Uhr

Rostock | "Habe gerade meine Toilette in ein Sperrgebiet verwandelt", "Bleibe heute im Bett" oder "Was haltet ihr von Hansas Auftritt in Mainz?" - so sehen bei Twitter verfasste Kurznachrichten, sogenannte Tweets aus. Bei dem Online-Dienst werden 140 Zeichen lange Statusnachrichten auf der eigene Profilseite veröffentlicht. Freunde, so genannte "Follower" können die Updates dann abonnieren.

"Twittern ist ein Mix aus Chatten und Bloggen", sagt der Rostocker Informatikstudent Alexander Pietsch (33). Seine Kommilitonin Christine Ruppert (19) beschreibt Twittern als Mikroblogging. "Ich schreibe was ich mache, wie es mir geht, welche Probleme ich habe und stelle Fragen die mich bewegen", sagt Christine. Sozusagen ein Liveticker des eigenen Lebens.

Followers abonnieren Tweets ihrer Wahl
"Ich habe ungefähr 25 Followers und lese selbst die Tweets von etwa genauso vielen", sagt Christine. Für die meisten Lacher bei ihr hätten die Tweets vom ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten in Hessen, Thorsten Schäfer-Gümbel, gesorgt. Natürlich nicht die des Originals, sondern die des Satiremagazins Titanic, das unter seinem Namen einen Account angelegt hat. Mit lustigen Tweets wie "Wieder brutto und netto verwechselt: Steuerberater zieht mich an den Haaren! Aber: Wenn Koch regiert, gibt es sowieso bald kein Netto mehr..." lockerte das Magazin den Hessen-Wahlkampf etwas auf.

Christine Ruppert verfolgt aber auch die Tweets seriöser Nachrichtendienste und Freunde. "Es ist eine gute Mischung aus Ernst und Spaß", sagt die Studentin der Sozialwissenschaften.

Alexander Pietsch nutzt Twitter eher als Konsument denn als Verfasser von Tweets. "Ich hatte kurzzeitig mal vier Followers. Die Zahl ist dann aber wegen Inaktivität auf null gesunken", sagt Alexander. Gelesen werde eben nur, wer auch etwas Interessantes schreibe.

Für Pietsch sei Twitter lediglich ein Zusatzangebot, abhängig davon wie oft er täglich Internet zur Verfügung habe und wie schreibfaul er sei. Nachrichten und wichtige Infos könne er sich genauso gut, wenn nicht besser, auf anderen Wegen besorgen. Dafür seien 140 Zeichen ein wenig knapp. Ihn interessiere im Zusammenhang mit seiner Diplomarbeit vor allem das Prinzip hinter Twitter. "Das gab es so in der Art noch nicht", sagt Pietsch. Twitter sei kosten- und werbefrei, schnell, einfach zu bedienen und global.

"Internetzugang als einzige Voraussetzung"
Einzige Voraussetzung für die Nutzung sei ein Internetzugang. Das macht es möglich, das Twitterprofil per Mobiltelefon, Notebook oder anderen Geräten auch in der Straßenbahn, im Auto oder im Flugzeug auf dem neuesten Stand zu halten. Unter anderem dieser Mobilität verdankt Twitter seinen steigenden Beliebtheitsgrad. Noch vor allen alteingesessenen Nachrichtendiensten berichtete am 16. Januar ein Augenzeuge live via Twitter von der spektakulären Notwasserung eines Airbus A320 im New Yorker Hudson River - inklusive Foto. Auch bei den Terroranschlägen von Mumbai versorgte ein in einem angegriffenen Hotel eingeschlossener Twitterer die Welt mit aktuellen Informationen.

Allerdings werde durch Twitter kein Bürgerjournalismus entstehen, meint Alexander Pietsch. Er registriere vielmehr einen Wandel in der Nutzung des Programms. Bis vor kurzem hätten sich die User getreu dem Initialgedanken von Twitter - "What are you doing?" - auf reine Mitteilungen beschränkt. Nun fingen sie an, Probleme zu diskutieren und Fragen zu stellen - eben ein richtiges soziales Netzwerk zu bilden. Ein Grund mehr für ihn und Christine Ruppert, dass Twitter sich in der Internetcommunity etablieren wird.

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