zur Navigation springen
Neue Artikel

22. Oktober 2017 | 10:27 Uhr

Gesucht: Guter Apothekernachwuchs

vom

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 01:11 Uhr

Der Mangel an guten Nachwuchskräften hat die Apotheken erreicht. Fachleute sehen inzwischen bundesweit Probleme, wobei die Situation in Ostdeutschland und speziell in Brandenburg eine besondere ist.

Die Gründe für den Nachwuchsmangel sind vielschichtig, der demographische Wandel gehört dazu. Vor allem aber sind es die aus Sicht des brandenburgischen Apothekerverbandes unzureichenden Ausbildungsbedingungen in der Mark. Zwar gibt es in Eisenhüttenstadt eine Schule für angehende pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA), aber laut Landesausbildungsgesetz wird die Lehre anders als beispielsweise in Mecklenburg nicht bezahlt. Derzeit trägt übergangsweise die EU die Kosten.

Der Verband kritisiert zudem, dass es in Brandenburg keine Universität mit einem Pharmaziestudiengang gibt. Inzwischen lässt sich diese Aussage auf fast ganz Ostdeutschland ausdehnen. Wie Jens Groschinski, Pressesprecher der Prignitzer Apotheken, und Olaf Behrendt, Vorstandsmitglied im brandenburgischen Apothekerverband, informierten, soll nun auch an der Universität Leipzig bereits ab dem Wintersemester 2012 der Pharmaziestudiengang geschlossen werden. Die künftige Ausbildung junger Apotheker und damit die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung sei damit gefährdet, heißt es in einer Stellungnahme des Leipziger Fachschaftsrates. Geschlossen worden ist dieser Fachbereich bereits auch an der Humboldt-Universität in Berlin, so dass die akademische Ausbildung in Ostdeutschland nur noch an der Uni Greifswald sowie an der Freien Universität Berlin möglich ist.

Bundesweit, das weiß auch die Pritz walkerin Margarete Matern, wird es für die Apotheken immer schwieriger, gutes Personal zu finden. Sie selbst hat dieses Problem allerdings nicht. "Die Adler-Apotheke ist eine angestammte Einrichtung, unsere Fluktuation sehr gering", sagt die Inhaberin. Auch wenn sie selbst derzeit keinen Bedarf hat, steht ihre Apotheke stets Praktikanten und Auszubildenden offen. Außerdem nutzt sie seit Jahren die Berufsinformationswochen der einheimischen Schulen, um zu werben - mit Erfolg, wie man beispielsweise an Liane Echtmann sieht: Über die Infowoche am Pritz walker Gymnasium wurde sie auf den Beruf aufmerksam. Die junge Frau aus Schönebeck (Gemeinde Gumtow) entschloss sich, PTA zu werden, absolvierte den theoretischen Teil an der PTA-Schule des Lette-Vereins in Berlin, macht jetzt ihr Praktikum in Pritzwalk und hat bereits einen Arbeitsvertrag für die Kyritzer Kreisapotheke in der Tasche. "Am 1. Februar nächsten Jahres fange ich dort an", sagt die 22-Jährige und räumt zugleich ein, dass sie die theoretische Ausbildung gern näher an ihrer Heimat gehabt hätte.

Genauso wie seine Kollegin Margarete Matern erachtet Olaf Behrendt, Inhaber der Kurfürsten-Apotheke in Fehrbellin, es als sehr wichtig, jungen Leuten überhaupt Lehrplätze fürs Praktikum anzubieten. "Ich habe aktuell eine PTA-Praktikantin, die ihre theoretische Ausbildung in Schwerin absolvierte und nach dem Praktikum, aus familiären Gründen, auch wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurück geht", so Behrendt. Gerade, weil es in Brandenburg - mit Ausnahme von Eisenhüttenstadt - keine PTA-Schule gibt, fänden angehende Apothekenmitarbeiter in der Mark viele Praktikumsmöglichkeiten.

Auch beim Pharmazeuten-Nachwuchs stellt sich die Situation von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich dar. Während der Berufsstand insgesamt überaltert, hat beispielsweise Margarethe Matern die Nachfolge schon fest im Blick. "Ich habe eine angestellte Apothekerin, und außerdem ist meine Tochter approbierte Apothekerin. Derzeit lebt und arbeitet sie in Berlin. Aber, es ist nicht ausgeschlossen, dass sie in die Prignitz zurückkommt."

Bundesweit gibt es 56 000 Apotheker, aber nur 12 000 Studierende. Sie werden den künftigen Bedarf sehr wahrscheinlich nicht decken können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen