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Morderne Technik : Gepäckroboter vor erstem Einsatz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei Easyjet in Schönefeld soll bald alles automatisch laufen – zumindest was die Verladung von Koffern und Taschen angeht.

Dank einer Firma aus Eisenhüttenstadt: Die Unitechnik GmbH entwickelte einen Roboter, der schwere Handarbeit überflüssig macht.

Auf großen internationalen Flughäfen läuft vieles wie am Schnürchen: Transportbänder befördern Koffer und Reisetaschen vom Check-In-Schalter aus über meist weite Strecken bis zu Gepäckwagen oder -containern. Doch verladen werden die Stücke dann in der Regel per Hand. Eine im wahrsten Sinne des Wortes schwere Tätigkeit: Ein Arbeiter muss pro Schicht viele Tonnen bewegen. Bei der Fluggesellschaft Easy- jet am alten Flughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) übernimmt diese Arbeit bald ein automatisches Gepäckverladesystem namens Unipack. Kernstück ist ein Roboter mit einem langen Knickarm und einer patentierten Teleskop-Hand, die Gepäckstücke vom Band aufnimmt und exakt an eine vorher berechnete, optimale Stelle im Container verlädt. Entwickelt wurde das System durch die Unitechnik Automatisierungs GmbH Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gemeinsam mit der Projektlogistik GmbH Wildau und der ebenfalls in der Stahlstadt beheimateten Richtsteig Anlagentechnik. „Das ist eine Weltneuheit“, sagt Unitechnik-Geschäftsführer Eckhard Wilberg. Easyjet sei der erste Partner, mit dem seine Firma einen Vertrag zur praktischen Anwendung geschlossen hat, dieser läuft seit Dienstag.

Damit ist für das System nach vielen Jahren des Entwickelns und des Marketings endlich ein Durchbruch gelungen. Seit 2007 war an Unipack getüftelt worden. Und das, obwohl andere, größere Firmen an so einem Projekt gescheitert waren. „Jeder sagte, Ihr habt keine Chance“, erinnert sich Wilberg. „Wir wagten uns trotzdem vor und steckten viel Entwicklungsleistung in das Projekt.“ Es gab reichlich Probleme zu bewältigen. Im Gegensatz zu einem Roboter in der Industrie, der immer dieselben Bewegungen macht, muss der Greifarm des Gepäckverladesystems ständig in unterschiedliche Richtungen arbeiten. Und er muss vorsichtig vorgehen, um das Gepäck nicht zu beschädigen.

So wurde die Teleskop-Hand entwickelt, die Gepäckstücke behutsam aufnimmt. Ingenieure arbeiteten lange an der Software, so dass die Sensoren Lage und Größe der Koffer und Taschen erkennen und ein optimaler Ablageplatz berechnet wird.


Lange Zeit hatte niemand genug Mut


In das Projekt flossen knapp 335 500 Euro aus EU-Mitteln. Die auf Automatisierungslösungen in der Metallurgie spezialisierte, weltweit aktive Firma investierte selbst noch einmal mehr als diese Summe aus Eigenmitteln. Es gab Auszeichnungen, Unitechnik wandte sich an potenzielle Kunden, Interessenten schauten sich die Pilotanlage an. Doch lange Zeit brachte niemand den Mut auf, das System als erster einzusetzen. „Man konnte sich nicht vorstellen, dass eine kleine Brandenburger Firma so etwas entwickelt haben könnte“, sagt Wilberg. „Wir mussten sehr viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Doch Unitechnik blieb beharrlich dran. Die Fachleute – immerhin die Hälfte der 90 Mitarbeiter sind Ingenieure – optimierten das Gepäckverladesystem mit den Jahren immer weiter. Heute braucht der Roboter nur noch 12 bis 15 Sekunden für ein Gepäckstück, wie Projektleiter Dietmar Jost erläutert. Und im Gegensatz zu einem Arbeiter ermüde das System nicht. Mit dem Easyjet-Vertrag gibt es jetzt das erste greifbare Ergebnis. Die Anlage soll in den nächsten Wochen in Schönefeld aufgebaut werden und ab August in den Probebetrieb gehen. Wenn Easyjet zufrieden ist, könnte das der internationale Durchbruch sein. Dann nämlich will die Fluggesellschaft den Unipack-Roboter auch auf anderen europäischen Flughäfen vermarkten.

Geschäftsführer Wilberg hofft, dass das System später auch am künftigen Hauptstadtflughafen BER genutzt wird. Dort gab es schon Gespräche. Bis dahin soll Unipack im praktischen Betrieb weiter optimiert werden.

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