Umgang mit Asylbewerbern : Gemeinsam mit Flüchtlingen im Garten arbeiten

Vereinsmitglied Ulrike Völker pflückt am 12.08.2015 mit ihren Töchtern Karla und Wilma im Kulturgarten in Schwerin frische Erbsen. In Mecklenburg-Vorpommern existieren Gemeinschaftsgärten in Rostock, Neubrandenburg, Wolgast und Schwerin.

Vereinsmitglied Ulrike Völker pflückt am 12.08.2015 mit ihren Töchtern Karla und Wilma im Kulturgarten in Schwerin frische Erbsen. In Mecklenburg-Vorpommern existieren Gemeinschaftsgärten in Rostock, Neubrandenburg, Wolgast und Schwerin.

Gemeinsam arbeiten, ernten, kochen, sich kennenlernen - das ist der Grundgedanke von Gemeinschaftsgärten. Oft werden Flüchtlinge mit einbezogen. Auch in MV

von
19. August 2015, 08:00 Uhr

Gärtnern geht selten der Gesprächsstoff aus. Das machen sich Vereine in der ganzen Bundesrepublik zunutze, die über gemeinsames Gärtnern Migranten und Deutsche zusammenbringen. In Mecklenburg-Vorpommern existieren solche Gemeinschaftsgärten in Rostock, Neubrandenburg, Wolgast und Schwerin, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Bundesweit gibt es in den Städten nach Angaben der „anstiftung“ rund 450 solcher Projekte. Die Stiftung fördert unter anderem interkulturelle Gärten. Die Idee dafür entstand in den 1990-er Jahren in Göttingen. In Mecklenburg-Vorpommern wird in Rostock und Neubrandenburg am längsten multikulturell gegärtnert.

Das 4000 Quadratmeter große Gelände am Neubrandenburger Reitbahnsee ist in zehn Ländergärten unterteilt, wie Gerlinde Brauer-Lübs vom Soziokulturellen Bildungszentrum der Stadt berichtete. Zur Gründung hätten die Gruppen die Flächen ausgelost, und so gibt es etwa einen argentinischen, mocambiquanischen oder philippinischen Garten, dazu ein Afrikahaus zum gemeinsamen Sitzen. Nicht immer gedeiht, was die Gärtner gerne hätten: „Physalis, Kichererbsen und Erdnüsse sind in diesem Jahr nicht gekommen“, bedauerte Brauer-Lübs. Der Zustand der

Gärten sei sehr verschieden. „Wie wir uns das mal vorgestellt hatten, dass die neuen Flüchtlinge in Scharen zu uns kommen - das ist nicht der Fall“, sagte die Geschäftsführerin und ergänzte: „Sie dürfen in Deutschland nicht arbeiten, sie müssen auf ihre Papiere warten - das macht träge.“ Einige Migranten seien aber seit Jahren dabei.

Die Gemeinschaftsflächen werden vom Verein bewirtschaftet. Zu ernten sind derzeit Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Bohnen, Zucchini, Kräuter und Melonen. Ein Teil der Ernte wird verkauft, anderes selbst oder gemeinschaftlich verbraucht. Der Verein muss sich selbst Geld beschaffen. „Armut macht kreativ“, sagte Brauer-Lübs. Und so entstünden Likör, Seife oder Lavendelsäckchen zum Verkauf. Insgesamt kümmerten sich rund 30 Menschen, darunter Familien, um den Garten. 

In Rostock gibt es ebenfalls eine Gemeinschaftsfläche sowie Beete und Parzellen, die Einzelpersonen oder Familien bewirtschaften. „Momentan bauen wir einen neuen Geräteschuppen“, sagte Ulrike Kästner, die sich im Verein Ökohaus Rostock beim Interkulturellen Garten engagiert.

Unter den Flüchtlingen seien es vor allem Familien mit Kindern, die in den Garten kämen, um Kontakte zu knüpfen und sich in der deutschen Sprache auszuprobieren. Treffpunkt sei der Dorfplatz mit einem Lehmbackofen. Es werde gemeinsam gearbeitet, geerntet, gekocht und gebacken, zumeist an den Sonntagen. Auch ein Gewächshaus aus recycelten Fenstern wurde gebaut. Bäume stehen in dem Garten nicht: „Wir müssen uns mobil halten“, sagte Kästner. „Die Fläche gehört der Stadt, die dort eine Wohnbebauung plant.“ Über eine Ausweichfläche sei man im Gespräch, allerdings gebe es die kaum im Zentrum.

Dieses Problem hat der Interkulturelle Garten in Wolgast nicht. Er liegt in einem Wohngebiet auf dem Gelände einer ehemaligen Kita in der Nähe einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Der 2013 gegründete Garten grünt in diesem Jahr auch dank zahlreicher Pflanzenspenden von Einwohnern, wie die Gleichstellungsbeauftragte der vorpommerschen Kleinstadt, Elke Quandt, berichtete. Ein älterer Mann kümmere sich um Bäume und Sträucher, zwei Bundesfreiwillige seien Ansprechpartner in dem Garten. Asylbewerber hätten unter anderem beim Pflanzen im Frühjahr geholfen. Doch sie blieben meist nicht lange, sagte Quandt. Entweder müssten sie zurück in ihre Heimat oder sie verließen Wolgast, sobald sie einen Aufenthaltstitel haben.

Der Kulturgarten in Schwerin ist ebenfalls für alle offen, wie Vereinsmitglied Ulrike Völker versicherte. Sie hob besonders das Zusammentreffen von Jung und Alt hervor. Die jüngsten Gartennutzer seien ihre zweijährigen Zwillinge, der älteste sei über 80 und beschäftige sich mit Terra Preta - fruchtbarer schwarzer Erde. Neben Kirschen, Äpfeln und Walnüssen sind diverse Gemüse zu ernten, es gibt eine Kräuterspirale, ein Gewächshaus und Bienenstöcke, eine Feuerstelle und viel Platz zum Spielen. „Wir haben schon einige Feste gefeiert und unseren ersten Tag der offenen Tür“, sagte Völker. Mitglieder seien etwa 20 Personen und Familien, denen ein eigener Garten zu aufwendig wäre. Sie zahlen 20 Euro Beitrag im Monat für Pacht und Ernte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen