Geldmangel reißt sichtbare Lücken in Museumslandschaft

Eine Aufnahme einer Porzellanvitrine aus dem Jahr 1929. Teile der abgebildeten Sammlung aus dem Neubrandenburger Palais zeigte die Kunstsammlung Neubrandenburg in der Ausstellung 'Morpheus aus der Asche'. Foto: neubrandenburg.de
Eine Aufnahme einer Porzellanvitrine aus dem Jahr 1929. Teile der abgebildeten Sammlung aus dem Neubrandenburger Palais zeigte die Kunstsammlung Neubrandenburg in der Ausstellung "Morpheus aus der Asche". Foto: neubrandenburg.de

von
02. Januar 2008, 09:05 Uhr

Schwerin - Der Geldmangel hat in diesem Jahr erstmals spürbare Lücken in die Museumslandschaft Mecklenburg-Vorpommerns gerissen. Das ergab eine Umfrage der dpa. Das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen ist seit November bis Ende Januar 2008 für den normalen Besucherverkehr geschlossen. Der der Müritzkreis will Aufsichten und Reinigung dieses herausragenden kulturellen Gedächtnisortes nicht bezahlen und so 6000 Euro sparen. Das Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg machte nach der Kürzung von Fördermitteln seine Türen am 17. Dezember bis zum Jahresende zu.

Die Kunstsammlung Neubrandenburg konnte 2007 erstmals nichts ankaufen und keinen Katalog herausbringen, wie Sprecherin Elke Pretzel sagte. Dabei bot die Sammlung mit "Morpheus aus der Asche" eine ausgesprochen wichtige Ausstellung, die Besucher in Scharen anzog. Gezeigt wurden kostbare Meissner Porzellane, die seit dem Brand des Neubrandenburger Palais 1945 verschwunden waren. Sie wurden dieses Jahr bei archäologischen Grabungen - allerdings in Scherben - wiederentdeckt und sogleich präsentiert. Bisher kamen 3000 Besucher, die Schau wurde bis zum 23. Januar 2008 verlängert.

Der amtierende Vorsitzende des Museumsverbandes Mecklenburg- Vorpommern, Bernd Lukasch, bestätigte die immer stärker drückenden Probleme der Museen. "Wir haben anlässlich unserer Frühjahrstagung 2007 in einem offenen Brief auf die Finanzprobleme der Museen aufmerksam gemacht, aber alles, was wir darin beklagten, ist leider unverändert geblieben", sagte er. In Land und Bund sei bekannt, dass es nicht mehr weitergehe, wenn die Kultur eine freiwillige Aufgabe der Kommunen bleibt. Eine Umwandlung in eine Pflichtaufgabe, wie von vielen Politikern angestrebt, "kommt vielleicht zu spät".

Lukasch als Chef des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam beklagte, die Kreise versuchten zunehmend, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Im Müritzkreis sei das gerade stark zu beobachten. Ostvorpommern versuche, sein einziges Museum loszuwerden. Lukasch kritisierte das Fehlen einer "ordnenden Hand" für die Museen im Land. Etwa 200 Einrichtungen gibt es im Nordosten, vom kleinen ehrenamtlich betriebenen Dorfmuseum bis zum Deutschen Meeresmuseum. Ein neues Haus kam mit dem Müritzeum in Waren in diesem Jahr hinzu.

Lukasch lobte die Museen: "Sie werden zunehmend Welcome-Center, sie arbeiten sehr besucherorientiert und machen attraktive Angebote." Das sei sehr schön, jedoch dürften die drei weiteren klassischen Aufgaben der Museen - das Sammeln, Bewahren, Erforschen - nicht vergessen werden.

Auch Reinhard Witte vom Schliemann-Museum mahnte: "Die Qualität eines Museums definiert sich nicht über seine Besucherzahlen!" Er beklagt, dass nicht nach Forschungsarbeit und Vorträgen gefragt werde, so habe das Schliemann-Museum 2007 rund 20 Vorträge im Haus, weitere zehn außerhalb, vier Sonderausstellungen und zwölf öffentliche Kinderveranstaltungen organisiert.

Die Besucherbilanzen 2007 fallen bei den befragten Museen durchweg positiv aus. Im nicht sehr sonnenreichen Sommer waren sie einmal mehr die "Regenschirme des Tourismus". Das Schliemann-Museum etwa verzeichnete ein leichtes Plus - rund 15 500 Gäste kamen und damit 300 mehr als in den beiden Vorjahren. Dank 14 000 Euro vom Bund sei im Verwaltungsgebäude eine moderne Heizung eingebaut worden, die den Bestand an Büchern und Archivalien vor beginnendem leichten Schimmelbefall in Zukunft schützen werde, sagte Direktor Witte.

Konstant halten konnten ihre Besucherzahlen das Fallada-Museum in Carwitz (14 000) und das Museum in Peenemünde auf dem Gelände der früheren NS-Heeresversuchsanstalt (230 000) - obgleich in beiden Häusern die Eintrittspreise erhöht wurden. Mit 130 000 Gästen war die Sonderausstellung mit Zeichnungen und Objekten des Weltraumphantasten Karl Hans Janke in Peenemünde die landesweit besucherreichste Sonderausstellung des Jahres. Das besucherstärkste Museum war erneut das Meeresmuseum in Stralsund, das mit knapp 566 000 sogar 6,1 Prozent mehr Gäste anzog als im Vorjahr. Ein Plus verzeichnete auch das Lilienthal-Museum in Anklam auf 30 000 Besucher. Highlight war dort die Sonderausstellung "Ikarus - Der fliegende Mensch" in der Nikolaikirche der Stadt.

Zufrieden mit der Resonanz zeigten sich auch die Museen in Rostock und Schwerin. Ins Kulturhistorische Museum kamen nach Angaben der Museumsleiterin Heidrun Lorenzen 55 000 und in die Kunsthalle 45 000 Gäste. Als Renner erwiesen sich demnach die Ausstellungen von Camille Claudel und Klaus Staeck. Bewährt habe sich auch das Konzept des freien Eintritts. Die fehlenden Gelder würden durch Spenden der Museumsbesucher wieder ausgeglichen. Das Staatliche Museum Schwerin verzeichnete bis Mitte Dezember 32 000 Besucher und damit 3000 mehr als 2006. Die meisten Gäste (12 400) zog die Ausstellung "Lyonel Feininger - Vom Sujet zum Bild" im Sommer an. Im Pommerschen Landesmuseum Greifswald, wo die Schau anschließend zu sehen war, kamen 28 000 Besucher.

Umfrage: Iris Leithold, dpa

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen