Marketing-Gag : Geld zurück bei Regen

Wenn es an einem bestimmten Tag zwischen 12 und 13 Uhr am Flughafen Stuttgart regnete, gab’s Geld zurück.
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Wenn es an einem bestimmten Tag zwischen 12 und 13 Uhr am Flughafen Stuttgart regnete, gab’s Geld zurück.

Bundesverwaltungsgericht: Wette eines Möbelhauses ist kein illegales Glücksspiel

svz.de von
10. Juli 2014, 11:27 Uhr

Vor drei Jahren hatte die Marketingabteilung eines schwäbischen Möbelhauses eine Idee. Warum nicht den Kunden eine kleine Wette anbieten? Wenn sie Waren für mindestens 100 Euro einkaufen und es dann Wochen später an einem bestimmten Tag zwischen 12 und 13 Uhr am Flughafen Stuttgart mindestens drei Liter pro Quadratmeter regnet, dann könnten die Kunden ihren Kaufpreis zurückbekommen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe fand die Idee nicht so gut. Es schickte einen Bescheid: Die Regen-Wette sei ein verbotenes Glücksspiel.

Seither beschäftigte die Wette die Gerichte, denn das Möbelhaus wollte sich mit der Einstufung des Werbegags als Glücksspiel nicht abfinden. Gestern war nun das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig als dritte und letzte Instanz an der Reihe. Und die Bundesrichter entschieden wie schon die Vorinstanzen: Die Regen-Wette ist kein illegales Glücksspiel. Die Kunden kauften für ihr Geld in erster Linie Möbel und die Gewinnchance gebe es quasi frei Haus dazu. (Az.: BVerwG 8 C 7.13)

Hintergrund des Streits ist der Glücksspielstaatsvertrag. Er soll helfen, die Spielsucht in Deutschland einzudämmen und einen Wildwuchs bei Lotterien und Wettangeboten zu verhindern. In Paragraf 3 ist geregelt, was überhaupt ein Glücksspiel ist: „Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt“, heißt es da.

„Dass Regen zu einem bestimmten Zeitpunkt vom Zufall abhängt, ist ja ganz klar“, sagte Anwalt Christian Alexander Mayer, der die Möbelkette aus Bopfingen vertrat.

„Aber es gibt keine Verknüpfung des Entgelts zur Gewinnchance. Die Käufer bezahlen für die Möbel. Für die Gewinnchance zahlt der Kunde nichts.“ Es gebe auch kein verdecktes glücksspielrechtliches Entgelt, wie vom Regierungspräsidium vermutet.

Die Preise für Tische und Stühle sollten im Aktionszeitraum nicht verändert werden. Die Bundesrichter folgten diesen Argumenten.

Möbelhaus-Anwalt Mayer ärgerte auch, dass ähnliche Aktionen von Konkurrenten unbeanstandet geblieben seien.


HINTERGRUND:
Umstrittene Werbeaktionen


Juli 2014:

Obwohl die Eltern zugestimmt haben, ist ein pinkelndes Baby auf einem Werbeplakat unzulässig. Ein Schweizer Kontroll- Gremium  entscheidet, dass verletze die Intimsphäre des Kindes. Mit dem Plakat sollte für Männermode geworben werden.

April 2014:
Der Bundesgerichtshof urteilt, dass eine Rabattaktion von Media-Markt in Passau aus dem Jahr 2011 erlaubt war. Schülern war gegen Vorlage von Zeugnissen für jede Eins ein Preisnachlass von zwei Euro versprochen worden.

März 2003:
Das Bundesverfassungsgericht erlaubt nach langem Rechtsstreit die Schockwerbung von Benetton. Ein im „Stern“ veröffentlichtes Foto von einem nackten Gesäß mit dem Stempelaufdruck „H.I.V.-Positive“ verletzt demnach nicht die Menschenwürde.

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