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Gegen den Strom: Mutige Favoritenliste für den Buchpreis

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erstellt am 08.Okt.2012 | 09:54 Uhr

Es war eine mutige Entscheidung, die die Jury des Deutschen Buchpreises getroffen hat. Die sogenannte Shortlist versammelt ungewöhnliche, experimentierfreudige Autoren - und einige Überraschungen.

Die erste ist die Nominierung von Wolfgang Herrndorf. Nachdem der 47-jährige Wahlberliner dieses Jahr schon den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hatte, hätte die Jury ohne Gesichtsverlust an seinem Meisterwerk "Sand" vorübergehen können. War es vielleicht eine letzte Verneigung vor dem unheilbar krebskranken Schriftsteller, von dem man zeitweise nicht einmal wusste, ob er seinen neuen Roman je würde beenden können?

Ähnliches mag für den Österreicher Clemens J. Setz gegolten haben, mit 29 Jahren den mit Abstand jüngsten im Sextett. 2009 hatte das Wunderkind aus Graz mit seinem Roman "Die Frequenzen" den Deutschen Buchpreis nur knapp verfehlt. Auch an seinem neuen Roman "Indigo", einer raumgreifenden Erzählung einer rätselhaften Krankheit, kam die Frankfurter Jury wohl nicht vorbei.

Mit Ursula Krechels "Landgericht" ist ein besonders eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte auf die Liste gekommen. Die 64-jährige Lyrikerin, die erst vor vier Jahren mit "Shanghai fern von wo" ihr Romandebüt vorlegte, erzählt von einem während der Nazizeit geflohenen Juden, dem bei seiner Rückkehr eine Atmosphäre der Verdrängung entgegenschlägt.

Zu den Autoren, mit denen wohl kaum jemand auf der Shortlist gerechnet hat, gehört der 84-jährige Ernst Augustin mit seinem Roman "Robinsons blaues Haus" (siehe Porträt).

Auch Ulf Erdmann Zieglers Gesellschaftsroman "Nichts Weißes" - die Geschichte über eine junge Schriftkünstlerin im angehenden Computerzeitalter - war im Vorfeld nicht groß im Gespräch.

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