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13. Dezember 2017 | 00:42 Uhr

Gefahr im Hühnerstall

vom

svz.de von
erstellt am 13.Dez.2011 | 07:09 Uhr

Schwerin | Zank auf dem Dorfplatz: Immer mehr Investoren entdecken Mecklenburg-Vorpommern als Standort für große Tieranlagen. Allein bis 2008 haben Tiermäster in Mecklenburg-Vorpommern 137 Geflügelanlagen aus dem Boden gestampft - mit Platz für jeweils 19 000 bis 206 000 Tieren. Und es werden jährlich mehr. Die Liste ist lang: eine Hähnchenmastanlage für 300 000 Tiere in Klein Lukow ein noch größerer für 400 000 in Klein Daberkow, eine Riesen-Schweinestall in Alt Tellin - mindestens 18 industrielle Großanlagen mit Platz für bis zu 400 000 Hähnchen je Stall sollen im Land aufgebaut werden, dazu mehrere Ferkelaufzucht- und Schweinemastanlagen mit bis zu 13 000 Tierplätzen, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Im ländlichen Raum stehen Millioneninvestitionen an, Aufträge für Baufirmen. Und doch mehren sich die Proteste gegen die Massentierhaltung. Spätestens seit der erschreckenden Analyse des Antibiotika-Einsatzes in Hühnerställen in Nordrhein-Westfalen sehen Natur- und Verbraucherschützern die Gefahren steigen. Sie vermuten ähnliche Zustände wie in den untersuchten Tierbeständen in Nordrhein-Westfalen. Die großen Ställen in MV würden faktisch nicht anders betrieben, wie die Riesenanlagen in NRW, heißt es beim BUND.

Gegenwehr im Ministerbüro: "Verantwortungslose Panikmache", ließ Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern die Bedenken nicht gelten und stellte die Ängste hinter die Anforderungen des Marktes. So rechtfertigte er den massenhaften Stallbau mit der weltweit steigenden Nachfrage nach Geflügelfleisch. So sei der Verbrauch von Geflügelfleisch pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland 2010 auf 19,3 kg gestiegen. Und es wird mehr: So würde die Nachfrage nach Geflügelfleisch weiter steigen, zumal Deutschland noch weit vom EU-Durchschnitt von 23,2 Kilogramm pro Kopf noch entfernt sei. "Diese riesige Nachfrage erfordert auch die entsprechende Mast. Mit der Mast in Klein- und Kleinstbetrieben kann man diesen Bedarf nicht decken", meinte Backhaus: "Wer also ständig gegen die Geflügelmast Sturm läuft, ist dem Verbraucher die Antwort schuldig, woher er das Fleisch beziehen soll." Backhaus wies zugleich den Vorwurf zurück, das Land würde Investitionen in Geflügelhaltung bevorzugen. Von den seit 2007 ausgezahlten 90 Millionen Euro Fördermittel für Investitionen in der Landwirtschaft, seien nur 20 Millionen Euro in den Geflügelbereich geflossen.

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