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11. Dezember 2017 | 11:06 Uhr

Gefährliches Zerrbild

vom

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2012 | 09:45 Uhr

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Aufregerthema Autoklau wieder weit oben auf der deutsch-polnischen Tagesordnung auftauchen würde. Die Stimmung in Europa ist danach. Alles, was mit Gemeinschaft und Freiheit zu tun hat, hat derzeit einen schlechten Ruf: die Währungsunion ebenso wie der grenzkontrollfreie Schengenraum. Die Dänen wollten sich aus Angst vor osteuropäischen Kriminellen bereits wieder abschirmen. Nun also soll die Abschaffung der Kontrollen schuld daran sein, dass in Ostdeutschland vermehrt Autos gestohlen werden.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Seit sich Ost und West in den 90er-Jahren auf Annäherungskurs begeben haben, ist die Zahl der Autodiebstähle hier wie dort drastisch zurückgegangen. Mehr noch: Würde es den von der EU-Erweiterung ausgelösten wirtschaftlichen Aufschwung in Polen und anderen ostmitteleuropäischen Ländern nicht geben, läge die Kriminalitätsrate mit Sicherheit weit höher.

Der Binnenmarkt und die Grenzöffnung waren und sind ein Segen. Man braucht nur einen Blick auf die EU-Außengrenzen zu werfen, um zu erkennen: Dort, wo es Grenzen gibt und das Wohlstandsgefälle wächst, blühen Schmuggel und organisierte Kriminalität in einem ganz anderen Ausmaß als im schiedlich-friedlichen deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Es geht nicht darum, vorhandene Probleme kleinzureden. Wenn organisierte Kriminelle Landmaschinen in Millionenwert stehlen, ist das kein Kavaliersdelikt. Für die Betroffenen sind diese Überfälle ein Horror. Sie rufen zu Recht um Hilfe. Doch gegen Verbrecher muss man mit polizeilichen Mitteln vorgehen, und zwar diesseits und jenseits der Oder gemeinsam! Stammtischparolen von polnischen Dieben helfen niemandem. Schlimmer noch: Wer von Deutschlands Osten und Polens Westen das Zerrbild eines rechtsfreien Raums zeichnet, leistet politischen Rattenfängern Vorschub.

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