Gefährliches Geschäft: Autohändler niedergestochen

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23. Februar 2009, 04:06 Uhr

Wladimir Romanjatow hatte viel Glück. Monatelang musste der Autohändler aus Weißrussland nach einem Messerangriff im August 2008 in Vorpommern um sein Leben bangen. „Warum das passierte, weiß ich bis heute nicht“, erklärte der 40- Jährige am Montag vor dem Landgericht Neubrandenburg. Dort begann der Prozess gegen einen 46-jährigen Bekannten Romanjatows mit einer Überraschung: Der Angeklagte - ein Asylbewerber aus Aserbaidschan, der seit längerer Zeit in Wolgast lebt und sich als Autovermittler betätigte - gestand vor Gericht, dass er auf den Weißrussen eingestochen habe. Er habe nach einem Streit einmal zugestochen, das Opfer „nur ins Gesäß treffen, aber nicht töten wollen“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Angeklagten, die vor Gericht verlesen wurde.

Hintergrund des Vorfalls war ein geplatztes Geschäft mit drei Kleintransportern, die dem Händler angekündigt waren. Dazu hatten sich die Männer unweit von Torgelow in einem Waldstück getroffen. Romanjatow hatte 20 445 Euro und 10 910 Rubel mitgenommen, aber der angebliche Lieferant kam nicht. Dann unterscheiden sich die Versionen: Laut Anklage nahm der Angeklagte ein 25 Zentimeter langes Messer, stach plötzlich zweimal auf sein Opfer ein, das aber fliehen konnte. Während der Angeklagte von einem Streit um ein früheres Geschäft als Anlass berichtet, weiß Romanjatow davon nichts.

Danach soll der Täter noch versucht haben, das Opfer mit dessen Auto zu überfahren, was ihm aber nicht gelang. Wie beide Männer übereinstimmend vor Gericht schildern, rammte der Angreifer dabei ein Auto von zwei anderen Männern, die zufällig dort Rast machten. Diese ließen sich das nicht gefallen, zerrten den Mann aus dem Wagen und hielten ihn fest, bis Polizei und Rettungswagen kamen. Das Opfer überlebte nach mehreren Notoperationen den Vorfall.

Schon mehrfach sind Streitigkeiten um Gebrauchtwagen in Deutschland eskaliert. Erst in der vergangenen Woche verurteilte das Landgericht Frankenthal (Rheinland-Pfalz) zwei Männer zu lebenslangen Haftstrafen, weil sie 2008 drei georgische Gebrauchtwagenhändler töteten. Sie hatten die Männer unter dem Vorwand, ihnen ein Auto zu zeigen, nach Südhessen gelockt und sie dort umgebracht, um an ihr Geld zu kommen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es schon einen tödlichen Streit unter Gebrauchtwagenhändlern. Ende 1999 war ein Malchiner Händler tot aufgefunden worden, die Täter wurden später zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Unaufgeklärt ist aber noch immer der Mord an einem Autohändler aus Demmin. Der 47-Jährige wurde am 29. August 2003 zum letzten Mal lebend gesehen. Zwei Tage später fand man seine Leiche nahezu unbekleidet im Fluss Peene in Loitz mit Fesselspuren an Händen und Füßen. Für Hinweise auf die Tat ist noch immer eine Belohnung von 2500 Euro ausgesetzt.

Der Prozess gegen den 46-jährigen Angeklagten in Neubrandenburg soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden. Dem Mann droht eine langjährige Haftstrafe. Möglicherweise soll das Urteil noch am Mittwoch gesprochen werden.

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