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24. Oktober 2017 | 04:26 Uhr

Gefährlichen Keimen den Garaus gemacht

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2011 | 12:12 Uhr

Schwerin | Der Durchfallerreger EHEC und vor allem die durch ihn ausgelösten Folgeerkrankungen haben in den vergangenen Wochen Angst und Schrecken verbreitet. Andere Keime werden angesichts dessen im öffentlichen Bewusstsein in den Hintergrund gedrängt - dabei ist die von ihnen ausgehende Gefahr noch viel größer: Jüngsten Schätzungen zufolge mindestens 700 000 Menschen infizieren sich jährlich in Deutschland mit Krankenhauskeimen. Bis zu 30 000 dieser Patienten versterben.

Der wichtigste Schutz vor diesen Keimen ist das konsequente Befolgen und die Überwachung bestehender Hygieneregeln. Die Sterilisationsabteilungen der Krankenhäuser spielen dabei eine zentrale Rolle. In einer solchen Abteilung an den Schweriner Helios Kliniken haben wir uns umgesehen.

Schleuse von einem Bereich zum nächsten

Ines Dumke, die resolute Chefin von 26 in drei Schichten beschäftigten Mitarbeitern, räumt gleich mit der größten Angst vieler Patienten auf: "Dass jemand bei einer Operation mit einem Instrument in Berührung kommt, dass nach dem letzten Eingriff nicht gereinigt und desinfiziert wurde und sich dadurch infiziert, ist bei uns nicht möglich!" Auch ein Versehen schließt sie aus: Jedes Instrument, dass in ihr "Reich" im Keller des Klinikgebäudes gebracht wird, könne es gar nicht anders als absolut keimfrei verlassen.

Dafür sorgt in Schwerin allein die räumliche Anordnung. Riesige Reinigungsanlagen, die überdimensionalen Geschirrspülern gleichen, bilden quasi die Schleuse von einem Bereich der "Zentralsteri" zum nächsten. "Wir arbeiten hier mit der neuesten Generation von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten", erläutert Ines Dumke. "Sie haben einen Selbstcheck und hören sofort auf zu arbeiten, wenn eines der geforderten Parameter wie zum Beispiel Temperatur, Konzentration von Zusätzen oder Wasserdruck nicht stimmen." Die Türen der Geräte lassen sich in solchen Fällen nicht mehr öffnen - erst wenn der Fehler behoben und der gesamte Reinigungsprozess in dem Gerät noch einmal von vorne durchgelaufen ist, können die Instrumente herausgenommen und weiterbehandelt werden.

Hartes Wasser taugt nur zum Vorspülen

Jedes Instrument durchläuft in der Sterilisationsabteilung drei große Abschnitte: Im "Schmutzbereich" werden die im Halbstundentakt aus den OP-Sälen angelieferten benutzten Instrumente demontiert, sortiert und - je nach Herstellervorgaben - vorgereinigt. Die Mitarbeiter - übrigens haben alle im Bereich eine Qualifikation zum Technischen Sterilisationsassistenten - tragen dabei außer Schutzhandschuhen und Gummischürzen auch einen Mund-, Nasen- und Augenschutz - denn in diesem Stadium ist die Konzentration der Keime am höchsten.

Nach der Vorwäsche geht es zum ersten Mal in den "Geschirrspüler" , wo der Hauptwaschgang folgt. Wie zu Hause gilt übrigens auch im Krankenhaus: Hartes Wasser taugt maximal zum Vorspülen, weil sich sonst Kalk ablagert. Für Hauptwäsche und Nachspülen wird den Geräten in der Klinik aus großen Tanks extra weiches Wasser zugeführt. Und ist dann alles gründlich gereinigt, wird schließlich noch thermisch desinfiziert.

Im nächsten Raum erfolgt eine weitere Sichtkontrolle, bei der deformierte oder beschädigte Instrumente ausgesondert werden. Was äußerlich in Ordnung ist, wird nun sortiert und - je nach künftigem Verwendungszweck - zu sogenannten OP-Sieben zusammengestellt. Diese standardisierten Sets - viereckige Metallkörbe, die in der Tat an große Siebe erinnern - werden von den Mitarbeitern je nach Bedarf der einzelnen chirurgischen Fachrichtungen zusammengestellt.

Was einfach klingt, ist in der Realität eine Aufgabe, die ohne Computer nicht zu bewältigen wäre - und in die selbst der pfiffigste Mitarbeiter erst nach einem Jahr vollständig eingearbeitet ist, so Ines Dumke. Denn es gibt nicht weniger als 5000 unterschiedliche Siebe, die nach strengen Vorgaben bestückt werden müssen - aus rund 2 Millionen Instrumenten, die an den Helios Kliniken in Gebrauch sind. Sie alle zu kennen, ist unmöglich. Zumal viele von ihnen nur in einzelnen Fachbereichen genutzt werden. Und zumal OP-Methoden und eingesetzte Instrumente sich auch rasant weiterentwickeln.

Wer im "Steri" arbeitet, arbeitet deshalb immer auch am Computer. Auf dem Bildschirm kann er sich nicht nur vergewissern, wie das Instrument heißt, das er gerade in den Händen hält. Auch die Zusammenstellung der einzelnen OP-Siebe kann dort abgerufen und - noch wichtiger - abgehakt werden. "Nur wenn im PC dokumentiert ist, dass tatsächlich alle erforderlichen Teile im Sieb liegen, wird die Freigabe dafür erteilt und ein entsprechendes Etikett ausgedruckt", erklärt die Chefin.

Prüfstreifen als "Kontrollorgan"

Diese Etiketten kommen auf die spezielle Verpackung, mit der die Einzelinstrumente und Instrumentensets nun auf die letzte Etappe gehen - in den Sterilisator. Bis jetzt sind anhaftende Bakterien nämlich immer noch nicht endgültig unschädlich gemacht. Erst der Aufenthalt im Dampfsterilisator macht ihnen endgültig den Garaus - wenn die vorgeschriebene Temperatur von 134 Grad Celsius für mindestens fünf Minuten gehalten wird. Für empfindliche Materialien gibt es Niedertemperaturverfahren, in denen mit Formaldehyd und Wasserdampf gearbeitet wird.

"In jedem Wagen, der in einen Sterilisator geschoben wird, liegt ein Kontrollelement, das dem Aufbau eines komplizierten Instrumentes nachempfunden ist", erläutert Ines Dumke. "Prüfstreifen darin verraten uns, ob der Dampf wirklich überall hingekommen ist und ob die vorgeschriebenen Parameter Druck und Temperatur erreicht wurden." Nur wenn wirklich nichts zu beanstanden ist, gehen die verpackten Instrumente dann in die Kommissionierung und werden auf kürzestem Weg in die OPs oder auf die Stationen zurückgebracht. Ein bestimmter Prozentsatz wird auch von Spediteuren an andere Helios-Standorte oder zu Ärzten aus der Region gebracht, die die Dienstleistungen der Schweriner Zentralsterilisation in Anspruch nehmen.

Wann ein Instrument dort ein nächstes Mal eintrifft, hängt von der vorhandenen Stückzahl und vom OP-Aufkommen des jeweiligen Tages ab. Schließlich werden bei einem Eingriff zwischen einem und 16 OP-Sieben verbraucht.

Reinigung wird lückenlos dokumentiert

Grundsätzlich meint Ines Dumke: "Man kann ein Medizinprodukt nur einmal in 24 Stunden benutzen." Nur in seltenen Ausnahmefällen halten sie und ihre Mitarbeiter ein Instrument bzw. einen Instrumentensatz zweimal am Tag in den Händen. "An der Mindest-Durchlaufzeit von vier Stunden ist aber auch dann nicht zu rütteln", betont die Chefin. Sie betont, dass der gesamte Prozess der Reinigung, Desinfektion und Sterilisation lückenlos dokumentiert wird. Innerbetriebliche Kontrollen durch die Krankenhaushygiene und Prüfungen der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte und Sterilisatoren durch externe zertifizierte Firmen tragen zur Sicherheit bei.

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