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19. November 2017 | 22:52 Uhr

Für die Ziffernblätter ein Goldhauch

vom

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2013 | 10:08 Uhr

Der Seehäuser Uhrmachermeister Günther Haut hantiert mit einem Hauch. Wie soll man sonst ein Goldblättchen nennen, das sage und schreibe nur 0,0001 Millimeter stark ist? Befragt nach dem Gewicht, zuckt Haut nur lächelnd mit der Schulter. "So gut wie gar nichts." Aber egal, wie dünn das Edelmetall geschlagen ist, "seine wundervollen Eigenschaften verliert es nicht". Der Seehäuser Uhrmachermeister spricht von dem besonderen Glanz, auch von der Wetterbeständigkeit. Vor ihm auf dem Werkstatttisch in einem der für Seehausen typischen Fachwerkgrundstücke liegt ein Uhrzeiger, ein Wittenberger Uhrzeiger.

Günther Haut ist ein Meister seines Fachs, Uhrmachermeister in dritter Generation. Ihm vertraut der hiesige Förderverein, der schon den Wiederaufbau des Turms an der katholischen Kirche bewerkstelligte, die quasi das historische Werk abschließende Arbeit an. Günter Haut fertigt die drei noch fehlenden Ziffernblätter für die Turmuhr.

"Ich belege Zeiger und Ziffern mit Blattgold. Das hält 30 Jahre, so lange, wie kein Farbanstrich oder auch ein anderer Werkstoff", sagt Haut. Der "Prignitzer" darf dem Mann auf die Finger schauen, als er den letzten der sechs Zeiger vergoldet. Tastend streicht der Uhrmachermeister mit seinen Fingerkuppen über den grünlichen Lack, der den Zeiger bedeckt. Das Anlegeöl. "Über Nacht hat es gut angezogen. Das Gold wird halten", weiß Haut aus seiner Erfahrung als Vergolder. Dann legt er das erste Transfergold - so nennt man Blattgold, das auf ein Trägerpapier gepresst ist - auf den Zeiger, streicht behutsam darüber, zieht das Papier ab. Das Gold bleibt auf dem Zeiger haften. Haut greift zum nächsten Blatt, und dann wieder zum nächsten. Es sieht so einfach aus. Haut lächelt wieder. In seinem Kopf und in seinen Händen stecken die Erfahrungen von Jahren und die Liebe zu diesem Handwerk.

In den nächsten Tagen kommen auch die Ziffern. Sie wird Haut ebenfalls vergolden, bevor die drei Ziffernblätter am Wittenberger Kirchturm befestigt werden können.

Dem Förderverein ist es Dank zahlreicher Spender gelungen, diese auch noch zu finanzieren. Im Innern des Turms befindet sich schon die Mutteruhr, von der aus dann die Zeitzähler auf allen vier Seiten des Turms angesteuert werden, erklärt Günther Haut.

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