Frust inklusive

von
16. September 2012, 07:23 Uhr

Der Frust kommt mit der Wiederholung. Mit der x-ten Mahnung von Methling, Brie oder Holter. Mit dem x-ten Appell von Bockhahn oder Ritter. Immer wieder vorgetragen. Mal bei der Wahlanalyse. Mal beim Thema Mauerbau. Grundsätzlich auf Parteitagen.

Die Linken haben das Vorgehen längst ritualisiert. Erst wird leidenschaftlich mit sich selbst beschäftigt, dann geht’s nüchtern weiter im Programm. Erst der Streit, dann die Inhalte. In Ludwigslust war das nicht anders. „Wenn uns in der Partei die Fähigkeit und Bereitschaft abhanden kommt, Probleme auf vernünftige Weise zu lösen, kommt uns auch die Wahlkampf- und Politikfähigkeit abhanden.“ Eine Mahnung diesmal von Matthias Höhn, dem gleichfalls leiderprobten Bundesgeschäftsführer. Nur: Erhört wurde auch er nicht. Dem Landesvorstand gelang es am Samstag nicht, die monatelange Auseinandersetzung um Verbandsstrukturen zu beenden. Die Führung scheiterte mit einem Antrag auf Fusion der Kreisverbände Stralsund und Vorpommern-Rügen.

Für Marianne Linke als Gegenspielerin sind das genau die Erfolge, die ihr geblieben sind. Die Partei ließ die ehemalige Ministerin vor Jahresfrist nicht mehr in den Landtag, nach ihrer Gedenk-Verweigerung ist sie für viele zur Persona non grata geworden – jedoch zu einer, die man nicht los wird. Und in dieser Rolle fühlt sie sich sichtlich wohl. Sie hat nichts mehr zu verlieren, traut sich das zu, wovor die stummen Kritiker scheuen. Sie setzt auf Konfrontation. Wegen der Themen? In der Summe vermutlich eher, weil sie verbittert ist. Jedenfalls handelt sie so, wie Oskar Lafontaine es bei der SPD getan hätte, wenn er nicht gewechselt wäre.

Was das für die Partei bedeutet? Es werden noch etliche Wiederholungen mit Appell ans Wir-Gefühl folgen. Frust inklusive.

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