Splitter : Früher Kaserne, heute Flüchtlings-Unterkunft

Eingang zum ehemaligen Militärgelände: 2007 verließ die  Bundeswehr die Kaserne, heute dient Stern Buchholz als Erstaufnahmestelle des Landes für Flüchtlinge.
Eingang zum ehemaligen Militärgelände: 2007 verließ die Bundeswehr die Kaserne, heute dient Stern Buchholz als Erstaufnahmestelle des Landes für Flüchtlinge.

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21. Januar 2016, 13:21 Uhr

Die Militärgeschichte im Stadtteil begann im Jahr 1822 mit dem Bau eines Artillerieschießplatzes im Buchholz. 1935 entstand nördlich der Eisenbahnstrecke nach Parchim eine Anlage für das Heeresnebenzeugamt, vier Jahre später eine Munitionsanstalt. Nach Stern-Buchholz wurde im November 1940 ein Nebenlager des auf dem Dreesch bestehenden Kriegsgefangenenlagers errichtet, interniert waren vor allem Sowjetsoldaten. Am 2. Mai 1945 wurden die letzten Überlebenden von amerikanischen Truppen befreit.

Bis 1993 nutzte die Rote Armee Stern Buchholz. Ein Teil des Gebietes nahm die im Aufbau befindliche NVA in Beschlag. Armeestandort blieb Stern Buchholz bis zum Ende der DDR. 1990 übernahm die Bundeswehr die NVA-Kasernen, den Namen des preußischen Generalfeldmarschalls Blücher erhielten sie 1993. In den 90ern wurden eine Sporthalle gebaut und das Schwimmbad saniert. Am 31. März 2007 erfolgte die Auflösung des in Stern Buchholz stationierten Panzerbataillons 403.

Seit Juni 2015 befindet sich hier eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. 580 Männer, Frauen und Kinder sind dort aktuell untergebracht. Die vorhandenen Betten reichen rund für doppelt so viele Menschen.

Wälder, Trockenrasen und Motorsport

Das ausgedehnte Waldgebiet „Buchholz“ prägt auch heute noch den Stadtteil. Seit 1882 durfte die Stadt dort Holz von „unfruchtbaren“ Bäumen schlagen lassen und unter bedürftigen Bürgern verteilen. Jahrhundertelang wurde im Buchholz gejagt – aber auch Holzdiebstahl wurde zeitweilig zum Volkssport. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Buchholz zum Ausflugsziel – die Städter genossen den Waldfrieden, picknickten und beobachteten Hirsche, Dam- und Rotwild.

Eidechsen, Schwalben und Magerrasen sind heute für den Stadtteil mindestens ebenso wichtig geworden. Um sie zu erhalten, soll auf 153 Hektar das Landschaftsschutzgebiet „Göhrener Tannen Nord“ ausgewiesen werden. Im Norden wird das Gebiet durch die Eisenbahnstrecke Schwerin-Parchim begrenzt, im Westen durch die Kläranlage und im Süden durch den Industriepark. Hauptbestandteile des Schutzgebietes sind Sandmagerrasen, Heiden, dichte Ginsterbestände, Wald, Weiden und Niedermoor mit seinen auf die überwiegenden Trockenbestände spezialisierten Tierarten. Vor allem Motorsportler hätten diesen Naturraum für sich entdeckt, heißt es in einer Verwaltungsvorlage. Sie zerstörten durch ihr rücksichtsloses Verhalten Brutplätze für Uferschwalben, verängstigten Niederwild und verschiedene Brutvogelarten. Außerdem werde hier zum Teil illegal Müll entsorgt.

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