Frost und Schnee: Das Wild hungert, Jäger füttern jetzt zu

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01. Februar 2010, 11:42 Uhr

Bützow/Güstrow | Erstmals in seiner Geschichte hebt der Landkreis Güstrow das Fütterungsverbot für Wildtiere auf. Die Jäger sind jetzt per Gesetz sogar dazu verpflichtet, den Tieren geeignete Nahrung anzubieten. Spaziergänger sollen sich im Wald besonders ruhig verhalten und die Wege nicht verlassen.

"Die dichte Schneedecke und der tief gefrorene Boden machen es dem Wild gegenwärtig schwer, in ausreichender Menge Futter zu finden", sagt Kreissprecherin Dr. Petra Zühlsdorf-Böhm. Kreisjägermeister Heinz Stegemann beobachtete in den vergangenen Tagen, "dass das Wild auffällig dicht an die Dörfer herankommt. Das ist ein Zeichen, dass die Tiere im Wald nicht mehr genug Nahrung finden", sagt der Fachmann. Verhungertes Wild habe man noch nicht entdeckt. Besonders betroffen seien Rot-, Reh- und Damwild, aber auch Niederwild wie Hasen. "Wildschweine dagegen finden immer noch Futter", sagt Heinz Stegemann.

Vorerst wird das Fütterungsverbot bis Ende dieses Monats aufgehoben. Gefüttert werden dürfen jetzt beispielsweise Heu, Stroh, Getreide, Mais, Eicheln und Kastanien. "Keine Küchenabfälle. Das ist verboten", sagt Stegemann. Für die Kosten müssten die rund 500 Jagdpächter und Eigenjagdbesitzer im Landkreis Güstrow selbst aufkommen. Kommt ein Jäger dem Fütterungsgebot nicht nach, übernimmt dies die Jagdbehörde und stellt es dem Pächter in Rechnung. Wie viel jeder Jagdpächter oder Besitzer zu füttern hat, "wissen die Leute", sagt Heinz Stegemann. Ein Jäger kenne seinen Wildbestand zumindest annähernd. "Auf 100 Hektar sechs bis acht Stück Rehwild", rechnet Michael Constien vor. Der Jäger aus Jürgenshagen wollte noch gestern einen Ballen Heu in sein Revier schaffen. Heute sollen alle Jäger im Kreis über die Aufhebung des Fütterungsverbotes informiert werden. "Es gab schon gestern etliche Nachfragen", berichtet Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Auch Spaziergänger riefen in der Jagdbehörde an und wollten illegale Futterstellen anzeigen. "Denn das Zufüttern ist ansonsten verboten", sagt Stegemann. Nur in Kleinstmengen zum Anlocken und Beobachten sei es erlaubt, Futter auszubringen.

Spaziergänger werden gebeten, sich im Wald besonders ruhig zu verhalten und die Wege nicht zu verlassen, "damit das Wild keinem zusätzlichen Stress ausgesetzt wird", sagt Petra Zühlsdorf-Böhm. Hunde seien an der Leine zu führen. Das gelte aber auch außerhalb dieser Notzeit.

"In den letzten 20 Jahren hatten wir so eine Situation nicht", sagt Kreisjägermeister Heinz Stegemann. Zu DDR-Zeiten galten andere jagdrechtliche Bestimmungen. Im Schneewinter 1978/79 habe man auch zufüttern müssen, erinnert er sich.

Den Tieren macht nicht nur die Nahrungssuche zu schaffen. "Wenn der Schnee auch noch gefriert, machen sie sich die Hufen - wir sagen Schalen - kaputt", erzählt Stegemann. Michael Constien erinnert sich, dass männlichen Rehen in manch strengem Winter in der 70-ern die Blasen einfroren.

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