„Frieda ist ein Phänomen“

Drei   Jahre  und  drei   Monate  ist  Frieda  inzwischen  alt –  und  ein  richtiger  Wirbelwind.
Drei Jahre und drei Monate ist Frieda inzwischen alt – und ein richtiger Wirbelwind.

Europas jüngstes Frühchen hat sich drei Jahre nach Geburt in Fulda gut entwickelt

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02. März 2014, 13:19 Uhr

Als sie geboren wurde, war die kleine Frieda kaum lebensfähig. Sie kam viel zu früh zur Welt, bereits nach 21 Wochen und fünf Tagen. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Am 7. November 2010 wurde sie im Klinikum Fulda mit nur 26 Zentimetern und 460 Gramm entbunden. Damit war sie Europas jüngstes Frühchen. Bis heute habe in Europa kein Baby überlebt, das früher entbunden wurde, sagen Experten. Doch damals war ungewiss, wie Friedas Entwicklung verlaufen würde.

Wie es ihm geht, kann das Mädchen mittlerweile selbst beantworten. „Gut“, sagt die Kleine mit zartem Stimmchen. Sie ist mittlerweile drei Jahre und drei Monate alt – und hat sich angesichts ihrer prekären Vorgeschichte prächtig gemacht. Die Eltern sind glücklich und erleichtert. Professor Reinald Repp, Direktor der Kinderklinik im Klinikum Fulda, sagt: „Frieda ist ein Phänomen. Sie hat sich super entwickelt, sogar überdurchschnittlich gut. Sie ist sogar fitter als die meisten normal geborenen Kinder.“

Frieda ist ein temperamentvoller Wirbelwind. Beim Besuch im Klinikum Fulda spielt sie angeregt mit ihren Eltern oder dem braunen Teddy oder sie sitzt am Tisch und malt, feinmotorisch recht geschickt. Im Vergleich zu anderen dreijährigen Kindern ist sie etwas graziler. Bei einer Körpergröße von 86 Zentimetern wiegt Frieda nur neuneinhalb Kilogramm. Normal seien wenigstens zehneinhalb Kilo und 88 Zentimeter, sagt Repp.

„Mit dem Essen ist Frieda halt sehr wählerisch“, erklärt Friedas Mutter Yvonne M. (36). Das sei nicht ungewöhnlich bei Frühchen, relativiert Repp. Friedas Favoriten stehen aber fest: Pommes, Hähnchen-Nuggets und Schokolade, wie die Mutter erzählt.

Nach einer Zeit bei einer Tagesmutter besucht Frieda seit November eine Kinderkrippe in Fulda. Die gute Gesundheit ist für extreme Frühchen nicht selbstverständlich. Nicht selten tragen sehr unreife Kinder dauerhafte Schäden davon - wenn sie überhaupt überleben. Lunge, Darm, aber auch Gehör und Netzhaut können geschädigt sein. Hirnblutungen und bleibende Behinderungen drohen.

Frieda aber hat es geschafft. Ob das eine Sicherheit für die nächsten Jahre ist, kann niemand sagen. Denn auch auf spätere Lebensphasen kann sich eine frühe Geburt auswirken. Beobachtet werden als Langzeitprobleme etwa Essstörungen. Ehemalige Frühchen können emotional labil sein, wie Repp sagt. In der Schule kann es zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen kommen.

Die Frühchen-Medizin hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. So haben 2012 in Deutschland schon 44 Kinder überlebt, die vor der 23. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Die kleine Paulina Emily wurde 2011 in Greifswald in der 23.

Schwangerschaftswoche mit 490 Gramm und 27 Zentimetern geboren. In Rostock kam im selben Jahr ein Frühchen in der 23. Schwangerschaftswoche mit 33 Zentimetern und 650 Gramm zur Welt. In Dortmund überlebte ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm.

Der kleine Kilian aber überlebte nicht. Er erblickte zwar zusammen mit Frieda als Zwillingsbruder in Fulda das Licht der Welt. Doch er starb sechs Wochen später an Herz- und Darmproblemen.

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