Wegerecht : Freizeitreiter im Gesetzes-Parcours

Zwei Frauen reiten auf ihren Pferden an einem Rapsfeld nahe Jacobsdorf im Landkreis Oder-Spree entlang.
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Zwei Frauen reiten auf ihren Pferden an einem Rapsfeld nahe Jacobsdorf im Landkreis Oder-Spree entlang.

Die Wegerechte in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg unterscheiden sich fundamental – zum Leidwesen vieler

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30. März 2016, 20:45 Uhr

Für Freizeitreiter liegen die rechtlichen Hürden in Mecklenburg-Vorpommern höher als in anderen Bundesländern. Vor allem das restriktive Wegerecht im Nordosten bringe spürbare Nachteile im Werben um Reittouristen, erklärte der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer. Seit Jahren bemühe sich der Verband um liberalere Regelungen, etwa nach dem Vorbild im Nachbarland Brandenburg. Dort dürften Reiter alle Wege nutzen, die nicht ausdrücklich und erkennbar dafür gesperrt sind.

„Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern ist es umgekehrt: Prinzipiell sind Wald- und Feldwege tabu, es sei denn, es handelt sich um ausgewiesene Reitwege“, erläuterte Fischer die Rechtslage. Er gehe davon aus, dass das Thema auch bei der bundesweiten Konferenz zum Reittourismus Mitte April in Ludwigslust eine Rolle spielen wird. „Unser Ziel ist es, möglichst einheitliche Regelungen zu schaffen“, sagte der Tourismusfachmann. Mit gut 200 000 Gästen im Jahr sei der Reittourismus im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern eine nicht zu unterschätzende Größe.

Die Landesvereinigung der Freizeitreiter (VFD), die alljährlich zu Ostern in die Saison startet, beklagte mangelnde Unterstützung durch das Agrarministerium in Schwerin. „Die Lobby der Landwirte, der Waldbesitzer und der Jäger findet dort weit mehr Gehör“, meinte Landesverbandschef Uwe Götz. Zwar sei auch in Mecklenburg-Vorpommern auf öffentlichen Straßen und Wegen Reiten erlaubt, doch seien diese landschaftlich oft wenig lukrativ. „Es ist in einigen Regionen schon problematisch, vernünftige Routen zusammenzustellen“, beklagte Götz. Sein Landesverband zählt knapp 200 Mitglieder, darunter auch Reiterhöfe. Weitere sind im Pferdesportverband organisiert.

Claudia Krempien, Netzwerkmanagerin beim Fachverband Landurlaub, sagte, das Wegerecht in Mecklenburg-Vorpommern erfordere eine Vielzahl von Einzelabsprachen vor Ort. Reiterhöfe, die ihren Besuchern möglichst interessante Routen bieten wollten, seien mit den zuständigen Behörden regelmäßig im Dialog. Diese kleinteilige Arbeit erschwere die Planung umfassenderer Wegenetze. Für die Beschilderung seien primär die Landkreise zuständig. „Und da gibt es fleißige und weniger fleißige“, sagte Krempien. Vorbildlich nannte sie die Arbeit im „reiterfreundlichen“ Amt Goldberg-Mildenitz (Kreis Ludwigslust-Parchim). Landesweit umfasse das Netz ausgewiesener Reitwege 6400 Kilometer, hieß es. Von rund 250 Reiterhöfen haben nach Angaben Krempiens 130 eine touristische Ausrichtung und bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten. „Reiten hat seinen elitären Ruf abgelegt und einen Kuschelfaktor bekommen.“ Sie sei überzeugt, dass die Nachfrage nach Reittourismus weiter steigen werde. „Wer Abstand vom Alltag im Büro sucht und einfach abschalten will, der findet das auch auf dem Pferderücken“, sagte Krempien.

Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) setzt darauf, dass der Reittourismus zunehmend aus der „Nische“ herauskommt. „Von den Gästen können neben Reiterhöfen auch Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Dienstleistungsunternehmen profitieren.“ Mit speziellen Angeboten wie Wanderreiten, aber auch mit Kutschfahrten und Urlaub auf dem Ponyhof solle für den Reiturlaub in Mecklenburg-Vorpommern geworben werden.

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