Freier Eintritt füllt die Kasse

Die polnische Kuratorin Jolanta Rybkiewicz stellt ein Modell der Gutsanlage in Schwirsen (heute: Swierzno) vor. Foto: Georg Scharnweber
Die polnische Kuratorin Jolanta Rybkiewicz stellt ein Modell der Gutsanlage in Schwirsen (heute: Swierzno) vor. Foto: Georg Scharnweber

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07. Februar 2008, 06:26 Uhr

Rostock - Viele Museen beklagen weniger Besucher. In Rostock ist das anders. Und trotzdem bleiben Warteschlangen aus, denn der Eintritt für Kunsthalle und Kulturhistorisches Museum ist frei. „Das Experiment ist geglückt“, sagt Senatorin Ida Schillen und hofft nun auf einen Dauerzustand.


Touristen wundern sich, Rostocker freut’s. Ein Besuch des Kulturhistorischen Museums zum Kloster am Heiligen Kreuz ist kostenlos, auch für die Kunsthalle gilt in der Regel: Eintritt frei. Im Frühjahr 2006 hatte dieses Experiment begonnen, nachdem die Bürgerschaft nach heiß geführter Debatte eine neue „Entgeltordnung“ für städtische Museen beschlossen hatte. Nach zwei Jahren wird nun Bilanz gezogen. Die entscheidende Frage: Wie steht’s mit den Einnahmen?

Als einen großen Erfolg feiert nun Kultursenatorin Ida Schillen das Experiment. Auch wirtschaftlich trage sich das Konzept „Spenden statt Eintritt“. In Zahlen: Im vergangenen Jahr haben beide kommunalen Museen 111 000 Euro eingespielt – 60 000 Euro mehr als 2005. Schillen: „Die Einnahmen aus Spenden sind auf das Zwanzigfache angestiegen.“ Dazu entfallen etwa 50 000 Euro Personalkosten für Kassierer. Entscheidend ist aber: 99 000 Menschen strömten 2007 in die beiden Museen. 2005 waren es nur 48 000.
Kostenlos oder nicht:

Bürgerschaft entscheidet
Die Erfolgsstatistik wird allerdings durch die ausnahmsweise kostenpflichtige Rekordausstellung Camille Claudel retuschiert, die immerhin mehr als 60 000 Euro in die Kasse spülte. Dennoch geht Schillen davon aus, dass die Bürgerschaft überzeugt ist. Im März wird das Stadtparlament entscheiden, wie es weitergeht: kostenlos ins Museum oder doch wieder Eintrittspreise? Eine Entscheidungshilfe hält die Kultursenatorin parat: Bei der Sanierung des Südflügels im Kloster wird auch an einen Museums-Shop gedacht, der zusätzliche Einnahmen bringen soll. Viele Politiker hatten moniert, dass das Museum einfach nicht genug aus seinen Möglichkeiten macht.

Private Museen: Rekorde trotz Eintrittsgeld
Mit gemischten Gefühlen reagieren auch die wenigen Museen in freier Trägerschaft, die mit den städtischen Einrichtungen im Wettbewerb um Besucher stehen. „Wir können es uns einfach nicht leisten, auf Eintrittspreise zu verzichten“, erklärt Carmen Rottmann vom Heimatmuseum in Warnemünde. Trotz der Wettbewerbsverzerrung kann die Kulturstätte nicht klagen. Erstmals ist im vergangenen Jahr mit 11 500 Besuchern die magische Hürde von 10 000 überschritten worden – und das bei Eintrittspreisen von drei Euro für Erwachsene.

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