Freie Lehrstellen in Handwerksberufen - Viele Firmen haben nicht einmal Bewerbungen erhalten

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01. September 2008, 05:59 Uhr

Grevesmühlen - Das neue Ausbildungsjahr beginnt und viele Lehrstellen in Westmecklenburg bleiben unbesetzt. Um dagegen etwas zu tun, hat die Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar jetzt die Kampagne „Einzigartig – unser Handwerk gestartet.“ Auf dem Grevesmühlener Marktplatz stellten sich einige Unternehmen der Region vor.

„Wir wollen etwas für unser Image tun“, sagt Antje Lange. „Wir wollen zeigen, dass Innungshandwerk Qualität, Fachkunde, Zuverlässigkeit, Sicherung von Arbeitsplätzen und Ausbildungsbereitschaft bedeutet“, so die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar.

Viele Handwerksbetriebe hätten große Probleme, überhaupt noch Auszubildende zu finden. „Wir haben jede Menge freie Lehrstellen, sogar bei Kfz-Mechatronikern, eigentlich ein Traumberuf für junge Männer, bei Elektrikern oder bei Sanitär- und Heizungsbauern. Es ist wirklich eine ganz schwierige Situation“, sagt Lange.

Viele Firmen hätten in diesem Jahr nicht einmal Bewerbungen bekommen. „Das ist unverständlich. Aber vielleicht wollen sich die jungen Leute die Finger einfach nicht mehr schmutzig machen.“ Lange führt die Situation auch auf Bequemlichkeit zurück. Und sicher sei es für einige angenehmer, einen Bürojob zu haben.

Mindestlöhne sichern gutes Lohnniveau
Dabei seien die Berufe im Handwerk sehr vielseitig und abwechslungsreich, wirbt die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Und so schlecht seien sie auch nicht bezahlt. Zumindest viele nicht. „Wir haben in einigen Berufen Mindestlöhne, um das Lohndumping aufzufangen. Dadurch haben wir in einigen Branchen auch im Osten ein Lohnniveau, von dem die Leute gut leben können, wie zum Beispiel Maler und Lackierer.“

Es gebe aber natürlich auch Berufe, in denen noch sehr wenig gezahlt werde. Das sei im Westen Mecklenburgs allerdings nicht ganz so drastisch. „Hier ist die Konkurrenz durch die Nähe zu Hamburg oder Schleswig-Holstein größer. Deshalb besteht auch die Möglichkeit etwas mehr Geld zu verdienen.“ Das sei im östlichen Teil des Landes ganz anders.

Lange schätzt, dass in der Region etwa 100 Lehrstellen nicht besetzt sind. Besonders extrem sei die Situation bei Elektrikern und bei Sanitär- und Heizungsbauern. In diesen Berufen seien mehr Grundkenntnisse in Mathe und Physik notwendig. Das sei bei anderen Berufen nicht der Fall.

Um im Handwerk Arbeit zu finden, seien nur Fleiß, Ordnung sowie Spaß an der Arbeit wichtig. „Mit diesen Eigenschaften kann auch aus einem Hauptschüler etwas werden.“ Die Zensuren spielten gar keine so große Rolle. „Wenn die jungen Leute wollen, klappt es fast immer“, weiß Antje Lange.

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