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23. November 2017 | 12:31 Uhr

Freie Fahrt auf der Autobahn: Zu wenig Verkehr?

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 08:04 Uhr

Schwerin | Autofahrer freuen sich über schnelle Autobahnen ohne Staugefahr, Kritiker sehen in den millionenschweren Investitionen in das Schnellstraßensystem in MV teure Fehlplanungen: A14, A20 - die in den vergangenen 20 Jahren neu gebauten Autobahnen sorgen zwar für gute Verkehrsverbindungen. Auf beiden Strecken fahren aber deutlich weniger Fahrzeuge als prognostiziert, ergab die Verkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen. So gehört die A14 zu den zehn Autobahnen in Deutschland mit dem geringsten Verkehrsaufkommen - zwischen dem Dreieck Schwerin an der A 24 und Schwerin-Nord nur 7200 Fahrzeuge am Tag, auf dem Abschnitt zwischen Schwerin und Jesendorf 8100 täglich. Auf der parallel verlaufenden Bundesstraße 106 fahren hingegen zwischen 8400 und 11 300 Autos. Auch die A20 ist nur zur Hälfte ausgelastet: Statt prognostizierter 22 400 bis 59 000 Fahrzeuge täglich nutzen nur 9400 Autos auf dem Abschnitt Pasewalk bis 31 000 Fahrzeuge Höhe Rostock die vierspurige Straße.

Zwar sei mit dem Lückenschluss der A14 bis Magdeburg mit mehr Verkehr zu rechnen, die Verkehrszahlen rechtfertigten aber keinen vierspurigen Ausbau, kritisierte Johann-Georg Jaeger, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion die Verkehrsplanung. Für das zu erwartende Verkehrsaufkommen würde statt des 1,3 Milliarden Euro teuren Neubaus Richtung Magdeburg der Bau von Ortsumgehungen und der streckenweise dreispurige Ausbau bestehender Bundesstraßen ausreichen - zu einem Viertel der Baukosten der Autobahn, errechnete der Bund für Umwelt und Natur (BUND).

Der Bund hatte auf dem A14-Abschnitt Schwerin-Jesendorf bereits 2015 mit täglich 22 000 Fahrzeugen gerechnet, teilte das Verkehrsministerium gestern in Schwerin mit - allerdings auf Grundlage einer durchgängigen Verbindung bis Magdeburg: "Vor der Weiterführung der A14 können diese prognostizierten Zahlen kaum erreicht werden", hieß es. Im Sinne des Umweltschutzes, angesichts knapper Kassen sowie stark steigender Erhaltungskosten sollten Straßenbauer bei weniger als 25 000 Fahrzeugen pro Tag nicht an den Bau einer Autobahn denken, erklärte Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte. Jaeger zufolge gebe es in MV keine länderübergreifende Gesamtplanung: "Der Landespolitik fehlt der Blick aufs Ganze", meinte Jaeger und forderte mehr Investitionen in den Schienenverkehr.

Land und Wirtschaft drängen indes auf schnelle Verkehrswege: Die Anbindung der Region an das überregionale Verkehrsnetz verbessere die Standortbedingungen deutlich, meinte Dorothee Crayen von der IHK Schwerin. Mit der Nord-Süd-Trasse der A14 werde eine schnelle Verbindung bis nach Prag geschaffen, mit der die Häfen besser ans Hinterland angebunden würden. Bereits jetzt würde die A14 für Entlastungen für Ortsdurchfahrten entlang der Bundesstraße zwischen Ludwigslust und Wismar sorgen - um bis 35 Prozent, wies das Verkehrsministerium Kritik zurück.

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