Fragen und Antworten zur Biospritbeimischung

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08. Februar 2008, 08:27 Uhr

Welche Modelle können problemlos mit Biosprit fahren? Welche Mehrkosten kommen auf Autofahrer zu? Die geplante Erhöhung des Bio-Anteils im Kraftstoff und damit verbundene Konsequenzen sorgen bei vielen Autofahrern für Verunsicherung. Wir sind den wichtigsten Hintergründen nachgegangen.

Warum wird Benzin mehr Ethanol beigemischt?
Biosprit soll den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr senken. Bereits jetzt stecken in jedem Liter Benzin oder Super fünf Prozent Bio-Ethanol. Zu wenig im Kampf gegen den Klimawandel, befanden sowohl die Europäische Union als auch die Bundesregierung. Deshalb plant die EU, den Anteil der Biokraftstoffe auf zehn Prozent zu erhöhen. Die Bundesregierung geht noch weiter. Sie will bis 2010 den Anteil von Biosprit auf zehn, bis 2020 gar auf 20 Prozent steigern.

Ab wann soll die neue Regelung gelten?
Im Augenblick liegt eine Verordnung zur Durchführung des Immissionsschutzgesetzes der Bundesregierung zur Notifizierung in Brüssel. In ihr ist der Start für den Ethanol-Beimischungsanteil von zehn Prozent am 1. Januar 2009 vorgesehen. Die Bundesregierung hatte kürzlich Anfang 2010 als Starttermin genannt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht hingegen davon aus, dass die Aufstockung der Beimischung von Ethanol zum Normal- und Superbenzin schon ab Mitte 2008 möglich sein wird.

Was sollten verunsicherte Autofahrer unternehmen?
Sie sollten sich bei ihrem Hersteller erkundigen, ob ihr Auto für den neuen Biosprit freigegeben ist. Der Auto Club Europa (ACE) empfiehlt zusätzlich, sich von ihrem Händler schriftlich bestätigen zu lassen, dass ihr Wagen die geplante Ethanol-Beimischung zum Sprit verträgt. Damit seien sie rechtlich auf der sicheren Seite, wenn nach dem Tanken Schäden an Kraftstoffsystem und Motor auftreten und sie Ersatzansprüche geltend machen wollen, sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Ohne ausdrückliche Freigabe sollte das neue E10 hingegen nicht getankt werden.

Für welche Autos könnte Biosprit zum Problem werden?
Der Verband der Automobilindustrie verweist auf „wenige deutsche Modelle, darunter insbesondere die Direkteinspritzer der ersten Generation“. Unseren Recherchen zufolge könnten aber selbst neuere Fahrzeuge davon betroffen sind. Bei vielen Herstellern laufen derzeit entsprechende Prüfungen. In der Folge halten sich mit genauen Aussagen bedeckt, wie unserer Test in den Servicezentralen der deutschen Automobilkonzerne ergab, bei dem wir uns als verunsicherte Kunden ausgaben.

Volkswagen: An der Kundenhotline erfuhren wir, dass alle Modelle, die ab März 2006 zugelassen wurden, mit Biosprit fahren können. Fahrzeuge älteren Datums dürfen hingegen nicht mit dem so genannten E10 betankt werden, wenn sie einen FSI-Motor haben.

Ford: Genaue Angaben kann der Service-Mitarbeiter mit Verweis auf laufende Untersuchungen nicht machen. Er lässt uns jedoch wissen, dass es bis vor kurzem hieß: Alle Fahrzeuge, die nach 2006 gebaut wurden, können mit Biosprit betankt werden. Allerdings sei diese Aussage von der Konzernleitung wieder zurückgezogen worden. Dem ZDF-Magazin „Frontal“ zufolge würden jedoch alle Jahrgange des Ford Ka den erhöhten Ethanol-Anteil nicht vertragen. Einem weiteren Kunden habe der Konzern empfohlen, für Autos die vor 2006 auf den Markt kamen, die Höchsgrenze von fünf Prozent Bio-Ethanol nicht zu überschreiten.

BMW: Hier empfiehlt man uns, in die Betriebsanleitung zu schauen. Wenn diese nicht „explizit darauf hinweist“, dass das Auto nur mit Super Plus betankt werden muss, könnten wir bedenkenlos zu Biosprit greifen.

Mercedes: Nicht Biosprit tauglich seien nur die Fahrzeuge, die vor 1997 von Band gingen. Die Mitarbeiterin weist uns jedoch auch zwei Ausnahmen hin: Den C200 CGI und den CLK 200 CGI.

Audi: Genaue Aussagen erhalten wir für all jene Modelle, die ab Mai 2007 hergestellt wurden: Sie dürfen mit Biosprit betankt werden. Für alle anderen Modelle seine die Prüfungen noch nicht abgeschlossen. Dies könne auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, das viele Bauteile von Zulieferern stammen.

Opel: Der Kundenbetreuer bedauert: Er darf diesbezüglich keine Auskünfte geben. Auch hier seien Prüfungen noch nicht abgeschlossen. Die Angaben müssten „im Haus erst noch konkretisiert werden“. Er empfiehlt uns, Ende Februar nochmal nachzufragen.

Internationale Hersteller: Dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller zufolge prüfen die internationalen Konzerne derzeit ihre Fahrzeugpalette auf eine entsprechende Verträglichkeit. Die Tests liefen noch. Unterdessen hat Peugeot alle Benzinmodelle, die seit dem 1. Juli 1998 gebaut wurden, „vorbehaltlos“ für den E10-Mix freigegeben.

Welche Kosten sind mit der Spritumstellung zu erwarten?
Mehrkosten kommen nicht nur auf diejenigen zu, die künftig auf Super Plus angewiesen sind. Die geplante Erhöhung des Bio-Anteils im Kraftstoff wird nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes den Sprit um sechs Cent pro Liter verteuern. Super Plus kostet im Schnitt 6 bis 10 Cent mehr als Normalbenzin bzw. Super. Wer mit dem Gedanken spielt, sein Auto auf für den neuen Biokraftstoff umzurüsten, muss ebenfalls tief in die Tasche greifen. So tief, dass VW manchen Kunden davon abgeraten haben soll.

Welche Schäden kann Biosprit verursachen?
Wird E10 für Autos verwendet, die nicht dafür ausgelegt sind, kann das fatale Folgen haben. „Ethanol schädigt Aluminiumbauteile“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Diese befinden sich beispielsweise in Benzinpumpen und Einspritzsystemen. Außerdem könnten sich über den Verlauf von mehreren tausend Kilometern Dichtungen aus Kunststoff und Gummi auflösen. Folge: Leitungen werden undicht. „Im Extremfall verlieren Sie den teuren Sprit auf der Straße. Oder er tropft auf den Motor und lässt das Auto in Flammen aufgehen.“

Wer haftet für Schäden?
„Wen der Hersteller das Fahrzeug für Biosprit freigegeben hat, haftet er“, sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Er ist sich aber sicher: Dazu werde es in der Praxis nie kommen, denn die Beweislast liegt derzeit beim Autofahrer. „Er müsste also beweisen, dass der Schaden durch den Kraftstoff entstanden ist. Und er müsste auch lückenlos belegen können, dass er immer richtig getankt hat.“ Der Automobilclub fordert daher eine Beweislastumkehr zu Lasten der Hersteller. „Wenn sie der Meinung sind, dass Biosprit unbedenklich ist, können sie dieser Forderung auch bedenkenlos nachgeben.“

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