Splitter : Fliegerangriff brachte 1945 vielen den Tod

Viele der Opfer vom April 1945 liegen auf dem Uelitzer Friedhof begraben.
Viele der Opfer vom April 1945 liegen auf dem Uelitzer Friedhof begraben.

svz.de von
29. März 2016, 10:14 Uhr

„Lebensgefahr! Betreten strengstens verboten, munitionsbelastetes Gebiet!“ so steht es auf Schildern, die rund um das Waldgebiet Pulverhof in der Nähe von Uelitz Spaziergänger und Pilzsammler zur Umkehr zwingen. Rund 650 Hektar groß erstreckt sich hier die Fläche der ehemaligen Luftmunitionsanstalt Pulverhof, in der unter anderem ein Teil der berüchtigten V1-Raketen gelagert wurde. Heute ist das Gebiet eine der größten militärischen Altlastflächen in Westmecklenburg.

Rund 800 Menschen arbeiteten während des Zweiten Weltkriegs in der Luftmunitionsanstalt, darunter bis zu 150 unter Zwang. Im April 1945 beschossen Flieger der Alliierten einen Munitionszug bei Pulverhof. Die Explosion riss zahlreiche Menschen in den Tod. Auf dem Friedhof in Uelitz sind 115 Opfer begraben, nur von 30 kennt man die Namen. Vermutlich kamen in dem Feuersturm auch viele Kriegsgefangene um, deren Lager sich unmittelbar an den Gleisen befand. Gebäude in der Nähe, darunter die Uelitzer Kirche, wurden durch die Wucht der Explosion beschädigt.

Viele Nutzungsmöglichkeiten: Vor kurzem wurde in der Kulturscheune auch wieder ein Kindersachen-Flohmarkt veranstaltet.
Viele Nutzungsmöglichkeiten: Vor kurzem wurde in der Kulturscheune auch wieder ein Kindersachen-Flohmarkt veranstaltet.
 

Kulturscheune am Pfarrhaus ist ein Ort der Begegnung

Vor acht Jahren drohte ihr der völlige Ruin. Wäre die alte Scheune auf dem Pfarrhof nicht abgestützt worden, wäre sie wohl eingestürzt. Unter Denkmalschutz stand das mehr als 260 Jahre alte Gebäude schon lange, seit dem Juni 2012 ist aber auch vollkommen saniert und wieder zu nutzen. Nicht für Fuhrwerke der Pfarrer, wie es früher der Fall war. Jetzt ist die Scheune ein Ort der Begegnung, den sie in Uelitz auch Kulturscheune nennen. Mit viel Engagement, Arbeit und mehr als 100 000 Euro Kosten wurde sie wieder hergerichtet. Von April bis Oktober, wenn nicht aufwendig geheizt werden muss, dann finden hier Lesungen und Ausstellungen, Musikveranstaltung und Dia-Vorträge statt.

„Wir sind sehr froh, dass wir die Kulturscheune haben, denn wir brauchten diesen Raum unbedingt“, sagt Kristin Gatscha. Taufe, Goldene Hochzeit, Geburtstag. Manchmal, weiß die Pastorin, werde die Scheune gemietet, um darin zu feiern. Die Kindergartenkinder nutzen ihn auch, für eine Lesenacht, die Schulklassen aus der Umgebung für Schulfeste. Und wenn die Kinderzelt-Freizeit ansteht, dann können dort auch die sanitären Einrichtungen genutzt werden. Gleich gegenüber der restaurierten Scheune steht noch eine zweite. „Diese fertig zu machen, sie als Heimatstube einzurichten, das gehört zu unseren nächsten Aufgaben“, sagt die Pastorin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen