Flatsaufen

Der Alkohol floss in Strömen bis ihr Körper rebellierte: Bewusstlos sackte eine

14-Jährige nachmittags

in aller Öffentlichkeit

zusammen. Diagnose: Schwere Alkoholvergiftung. Beunruhigend auch: Offiziell sind Flatrate-Partys

verboten. Ausschweifendem Alkoholkonsum in

Diskos sind dennoch keine Grenzen gesetzt: Das Kind erhält einfach einen anderen Namen.

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23. April 2008, 06:17 Uhr

Stralsund/Schwerin - Saufen bis der Arzt kommt – für ein 14 Jahre altes Mädchen aus Franzberg (Nordvorpommern) wurde dieser saloppe Spruch schmerzhafte Wirklichkeit. Ersten Ermittlungen zufolge soll ihr 17-jähriger Cousin die Schülerin am Montagnachmittag immer wieder zum Trinken von Alkopops und anderen alkoholischen Getränken wie Apfelkorn aufgefordert haben. „Irgendwann brach das Mädchen bewusstlos zusammen“, sagt Uwe Werner, Sprecher der Stralsunder Polizeidirektion. Wie es soweit kommen konnte und woher der Alkohol stammt, ist bislang unklar. Aufschlüsse erhofft sich die Polizei nun von den anderen Jugendlichen, die zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs mit dem Opfer zusammenwaren. „Uns liegen gegenwärtig sechs Namen vor“, so Werner. Sie sollen in den nächsten Tagen befragt werden. „Erst dann vernehmen wir den Cousin.“ Gegenwärtig besteht gegen ihn der Verdacht der Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz.
„Die Zahlen der komatös eingelieferten Kinder und Jugendlichen in den Notfallambulanzen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen“, sagt Claudia Diekneite, Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen MV. Im Jahr 2006 mussten nach Angaben der Techniker Krankenkasse in Mecklenburg Vorpommern mehr als 560 Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren stationär behandelt werden. Ob sich das Mädchen den Alkohol selbst besorgt hat, konnte noch nicht geklärt werden. Fakt ist jedoch, dass es für Jugendliche in Supermärkten vielerorts ein Kinderspiel ist, alkoholhaltige Getränke zu kaufen. „Strengere Kontrollen wären wünschenswert“, so Diekneite.
Der tragische Alkohol-Tod des 16 Jahre alten Berliner Schülers Lukas hat vor einem Jahr bundesweit Entsetzen und eine wochenlange Debatte über Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ausgelöst. Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte der Bund-Länder-Ausschuss für Gewerberecht mit Blick auf das Gaststättengesetz und den Jugendschutz Partys, bei denen für einen Festpreis unbegrenzt getrunken werden kann, für rechtlich nicht zulässig. Seither ist es ruhig geworden um das Thema. „Erledigt hat sich das Problem damit aber nicht“, sagt Diekneite. Zwar sind Plakate, die für Flatrate-Partys werben, verschwunden. Kundennot macht jedoch erfinderisch. So rufen Veranstalter so genannte 50 oder 100 Cent Partys ins Leben, bei denen etwa Wodka-Mix-Getränke oder ein Glas Havanna-Cola je nach Partymotto 50 Cent oder einen Euro kosten. Andere Betreiber vergeben mit dem Entrichten des Eintrittspreises Gutscheine für fünf Freigetränke.
Flatrate-Partys im Vorfeld zu erkennen und zu verbieten, ist für die Kommunen nicht immer einfach. Liegen dem Ordnungsamt in Schwerin entsprechende Hinweise vor, so erhält der Betreiber zunächst die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

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