Fischen in Seen geht die Luft aus

Fischesterben am Schlagsdorfer See: Fischer Walter Piehl demonstriert mit seiner Axt: 50 Zentimeter höher müsste das Wasser eigentlich stehen.Frank Pubantz
Fischesterben am Schlagsdorfer See: Fischer Walter Piehl demonstriert mit seiner Axt: 50 Zentimeter höher müsste das Wasser eigentlich stehen.Frank Pubantz

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01. Februar 2010, 11:40 Uhr

Alt Schlagsdorf | Walter Piehl fürchtet um den Erfolg von vielen Jahren Arbeit. Fünf Wochen Dauerfrost und Schnee auf seinem See nahe Alt Schlagsdorf sorgen dafür, dass jetzt die Fische wegen Sauerstoffmangels sterben. Piehl hackt ein großes Loch in die Eisdecke auf dem See, das Wasser stinkt. "Kein Wunder", sagt er. Ohne Licht keine Photosynthese - kein Sauerstoff. "Licht ist Leben", sagt der Fischer.

In kleinen Seen wird den Fischen bereits die Luft knapp, bestätigt Klaus-Dieter Dehmel, Fischer in Dabel. "Waldseen und Sölle", sagt er. Bei größeren Gewässern sei dies noch nicht der Fall. Am Ufer des 18 Hektar großen Sees bei Alt Schlagsdorf liegen einige tote Fische. "Zuerst sterben Plötz und Barsch", so Walter Piehl. Später seien dann die anderen dran. "Wenn das kommt, sind 20 Jahre Arbeit Schrott", erklärt der Fischer. Erst im vergangenen Jahr habe er Aale eingesetzt. Vor allem um Karpfen und Hechte ist er besorgt. In guten Jahren hole er hier 500 Hechte raus. Im See, da schwimme "mein Sparbuch".

Das Problem: Der See sei derzeit nur bis zu anderthalb Meter tief. Da das Eis kein Licht mehr durchlasse, mangele es im Wasser an Sauerstoff. "Dann ist das Leben tot", so Piehl. Seine Erfahrung am See: "Wenn er 60 Tage zu ist, beginnt das große Sterben." Dieses Mal noch früher. Mindestens 50 Zentimeter Wasser fehlten zu Vorjahren; aufgrund von Barrieren, die Biber errichtet haben, könnten die Fische auch nicht in einen derzeit eisarmen Bach ausweichen. Auch der Schilfgürtel könne nicht helfen, über den sonst Sauerstoff ins Wasser gelangt. Denn das Schilf steht bereits auf dem Trockenen.

Warum der See so wenig Wasser führe, habe verschiedene Gründe. Zum einen: die zurückliegenden trockenen Sommer. Ein anderer: Der See gehört dem Gutsbesitzer im Ort, Piehl hat ihn nur gepachtet. "Es gibt hier einen Interessenkonflikt", erklärt Arendt Grapen geter, Verwalter des Gutes. Das Gut wolle den Wasserstand niedrig halten, da sonst angrenzende Ackerflächen nass, somit unnutzbar wären. Und: Der nahe Wald sei voller Wildschweine; um sie zu jagen, müsse der Wasserstand abgesenkt gehalten werden.

Fischer Piehl weiß das - doch nun auch noch der Dauerfrost. "Wir brauchen eine Lösung", sagt er. Bei einem Vor-Ort-Termin erklärte sich der Gutsverwalter spontan zur Hilfe bereit: Mit einem Güllefahrzeug soll Luft unter das Eis des Sees geblasen werden. Das könnte helfen, die Fische zu retten, glaubt der Fischer.

Fälle vom Fischesterben unter Eis waren dem Landwirtschaftsministerium bisher nicht bekannt. Leider darf der Fischer beim Unglück auch nicht mit Geld aus Schwerin rechnen - im Gegensatz zu Bauern mit wetterbedingten Ernteausfällen. "Es gibt für solche Fälle keine Hilfen", sagte Ministeriumssprecherin Ilona Stadler.

Der Sternberger Fischer Jörg Rettig kennt das Problem Luft-Mangel. "Ich kann mich an die Zeit als Kind erinnern: Mein Vater nahm immer Sauerstoff-Pumpen mit", so Rettig. Auch damals habe es Fischsterben gegeben. Heute habe er die Sorgen rund um Sternberg nicht: "Die Seen, die ich bewirtschafte, haben alle einen Durchfluss."

Löcher ins Eis des Schlagsdorfer Sees zu schlagen, sei gefährlich, erklärt Walter Piehl. Das rege die Fische auf: Stress. "Dann verbrauchen sie zwei- bis dreimal so viel Sauerstoff." Der Fischer kann nur hoffen, dass der Frost bald vorbei ist.

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