Finanzspritze für Wadan-Werften

Volle Bücher, leere Konten: 14 Aufträge stehen in den Orderbüchern der Wadan-Werften, doch den Schiffbauern fehlen Millionen, um sie erledigen. Foto: dpa
Volle Bücher, leere Konten: 14 Aufträge stehen in den Orderbüchern der Wadan-Werften, doch den Schiffbauern fehlen Millionen, um sie erledigen. Foto: dpa

Rettung in der Not: Die finanzielle Zukunft der in Kapitalnot steckenden Wadan-Werften in Wismar und Rostock scheint vorerst gesichert. Als eines der ersten Unternehmen haben die Ostseewerften beantragt, unter den 15-Milliarden-Euro teuren Schutzschirm des Bundes zu gelangen. Bis die Kredite ausgezahlt werden, wollen Bund und Land für mehrere Neubauaufträge Überbrückungshilfen gewähren. Bis Freitag sollen die letzten Einzelheiten geklärt werden.

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10. Dezember 2008, 07:22 Uhr

Vergangene Woche noch hatten die Wadan-Werften jede Krise vehement bestritten: Die Schiffbauer hätten "keine Not, unter den Schutzschirm zu gehen", versuchte Werft-Sprecher Matthias Trott die Finanzprobleme noch herunterzuspielen als schon längst ein Krisengespräch das andere jagte. Inzwischen werden die Geldsorgen immer größer. Die Angst vor dem Zusammenbruch lässt die Werftmanager, Bund und Land reagieren. Während die anderen beiden großen Werften im Land in Stralsund und Wolgast die auf die Schiffbauindustrie durchschlagende Finanzkrise Fachleuten zufolge selbst in den Griff bekommen, geht den Wadan-Betrieben das Geld aus. Die Werften brauchen jeden Euro - und das schnell. Nach dem sich die Banken aus dem Schiffbaugeschäft zurückgezogen haben und die Finanzierung sicher geglaubter Neubauaufträge nicht mehr garantiert ist, fehlen den beiden Unternehmen zwischen 60 bis 70 Millionen Euro, heißt es.

In Kürze soll das Geld wieder fließen. Die Wadan-Werften hätten jetzt den Antrag auf Aufnahme unter den Schutzschirm des Bundes gestellt, sagte Werftsprecher Trott gestern. Die Höhe der beantragten Kredite und die Zahl der betroffenen Neubauaufträge wollte er nicht nennen. Optimisten gehen davon aus, dass ab Januar die KfW-Kredite ausgereicht werden können. Pessimisten erwarten den Programmstart aber frühestens im Februar - für die Wadan-Werften käme die Kredithilfe in beiden Fällen zu spät.

Die Schiffbauer brauchten kurzfristig Liquidität, meinen Branchenkenner. Jetzt wollen Bund und Land einspringen. "Die Lage ist ernst, aber wir sind auf einem guten Weg zu einer seriösen Lösung", hatte Minister Erwin Sellering (SPD) erklärt. Die Gespräche mit dem Bund seien auf einem guten Weg, ließ Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) nach einem Krisentreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern erklären. Inzwischen sind sich Bund und Land offenbar einig: Bis das KfW-Hilfspaket genutzt werden kann, wollen Berlin und Schwerin den Wadan-Werften eine Zwischenfinanzierung gewähren. Die Verhandlungen darüber sollen noch in dieser Woche beendet werden, hieß es gestern in Berlin.

Es sei sichergestellt, dass das den Wadan-Werften zur Verfügung gestellte Kapital in Mecklenburg-Vorpommern verbleibe und den Werften in Wismar und Warnemünde sowie ihren Zulieferern und nicht den Eigner in Russland oder Oslo zugute komme, hieß es gestern in Unternehmenskreisen. Mitte kommender Woche solle das Hilfspaket den Werftarbeitern während einer Belegschaftsversammlung vorgestellt werden. Die Finanzhilfen lösen die Probleme der Wadan-Werften kaum. Der Schutzschirm des Bundes sei nicht gespannt worden, damit sich die Banken sanieren können, sondern den regionalen Geldkreislauf am laufen zu halten und die Industrie mit Geld zu versorgen, mahnte IG-Metall-Werften experte Heino Bade ein größeres Engagement der Banken an. Auch reicht Fachleuten die jetzt gefundene Augenblickslösung nicht. Sie sehen vor allem die neuen Eigentümer in Russland in der Pflicht. Die hatten zwar bei der Übernahme von 70 Prozent des bisherigen Eigners Aker Aufträge auf dem russischen Markt in Aussicht gestellt. Dabei blieb es bislang allerdings auch: Marktchancen beispielsweise für eisbrechende Frachter hatten sich die deutschen Schiffbauer erhofft. Vergebens: Noch sind die Russen Neubauaufträge für die Werften in Wismar und Warnemünde schuldig geblieben. Jetzt erhöht Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) den Druck. Gestern Abend erinnerte er bei Verhandlungen mit dem russischen Industrieminister Viktor Christenko und den Wadan-Eignern in Moskau an die Zusagen der russischen Investoren. "Wir müssen die Eigner dazu veranlassen, Aufträge in die Bücher zu bekommen", meinte er im Vorfeld.

Die in Aussicht gestellte Millionenhilfe von Bund und Land lässt Brüssel indes aufhorchen. Nach den bisher zugrunde gelegten Beihilferegeln für den Schiffbau dürfte das deutsche Hilfspaket kaum Bestand haben. Experten gehen allerdings davon aus, dass die EU angesichts der Krise, die gesamte europäische Industrie in Gefahr bringen kann, dem Hilfspaket zustimmen werde.

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