Finanzämter arbeiten schneller

Die Finanzämter im Land haben sich mehr Bürgerservice auf die Fahnen geschrieben. Foto: Hans-Dieter Hentschel
Die Finanzämter im Land haben sich mehr Bürgerservice auf die Fahnen geschrieben. Foto: Hans-Dieter Hentschel

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05. Februar 2008, 07:56 Uhr

Schwerin - Die Finanzämter im Land arbeiten an einem besseren Ruf. Seit 2004 hat sich die Bearbeitungsdauer von Steuererklärungen deutlich verringert: Selbstständige warten im Durchschnitt
nur noch 50 statt 79 Tage, Arbeitnehmer 40 statt 70. Zeitgleich wurden die Öffnungszeiten verlängert. Die Behörden seien nun effektiver und bürgerfreundlicher, so gestern Finanzministerin Sigrid Keler (SPD).

Übertrieben scharf und wenig service-orientiert: Diesen Stempel bekamen die Finanzbeamten Mecklenburg-Vorpommerns – allen voran die Schweriner – bei einer bundesweiten Umfrage vor drei Jahren aufgedrückt. Eine amerikanische Handelskammer warnte gar vor Investitionen in Norddeutschland. Obwohl Keler damals eher das Ranking als ihre eigenen Beamten kritisierte, leitete sie Reformen ein. Offenbar mit Erfolg: So hat inzwischen jedes Amt mindestens 38 Stunden pro Woche für die Bürger geöffnet, wie Hinrich Seidel, Abteilungsleiter Steuern im Finanzministerium, gestern mitteilte. Im Jahr 2004 waren es durchschnittlich nur 22 Stunden. Gleichzeitig verkürzte sich die Bearbeitung von Steuererklärungen erheblich. Den Angaben zufolge erhalten nun 85 Prozent der Gewerbetreibenden ihre Umsatzsteuernummer innerhalb von zehn Tagen. Vorsteuerbeträge werden demnach in 89 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Tagen erstattet. Die Ämter könnten sich jetzt gut mit denen anderer Bundesländer messen, so Seidel.

„Wenn wir an das Beste der Bürger wollen – nämlich an ihr Geld – dann sollten wir dies zumindest höflich und zuvorkommend tun“, betonte Keler. Durch den besseren Service sei die Zahl der eingegangenen Klagen seit 2004 von mehr als 2200 auf knapp 900 gesunken. „Das Klima zwischen Unternehmern, Bürgern und Steuerverwaltung hat sich spürbar verbessert“, meinte die Ministerin.
Das bestätigte auch Ronald Dehne, Vorsteher des Finanzamtes Neubrandenburg. Die Behörde hat ihre Öffnungszeiten auf rund 50 Stunden pro Woche ausgedehnt. Beratungen werden auch außer Haus angeboten. „Seitens der Bürger gibt es kaum noch Beschwerden“, berichtete Dehne. Sein Amt bemühe sich besonders um Existenzgründer und mache auch Betriebsprüfungen auf Wunsch von Unternehmern, um eine Anhäufung von Schulden zu vermeiden. Schließlich wolle man „die Steuerpflichtigen am Markt halten“. Der Servicegedanke lasse sich unabhängig vom landesweiten Personalabbau umsetzen, so Dehne.

Nach Angaben von Keler ist die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in der Finanzverwaltung von 2385 im Jahr 2005 auf nunmehr 2217 gesunken. Im Gegenzug sei die Automatisierung erhöht worden. In den nächsten Jahren werde ein bundeseinheitliches IT-Verfahren angestrebt. Von Mai an soll es außerdem einen verbesserten Internetauftritt mit allen Informationen und Formularen geben, kündigte Keler an. Zugleich wollen die Finanzämter verstärkt Steuerhinterziehung bekämpfen. „Für Steuersünder soll es immer schwerer werden“, sagte Keler. „Das Problem ist nur: Die schlafen auch nicht.“

Derzeit verschicken die Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern rund 800 000 Steuerbescheide pro Jahr. Ein Single bekommt im Durchschnitt 250 Euro erstattet, ein Ehepaar 400 Euro.

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