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22. Oktober 2017 | 04:59 Uhr

Interview : Feindbild Journalist

vom

Angriffe auf Medienvertreter in Deutschland haben in den vergangenen Jahren in Quantität und Qualität massiv zugenommen

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2016 | 19:35 Uhr

Die tätlichen Übergriffe und massiven Bedrohungen gegen Journalisten in Deutschland setzten sich auch 2016 in starkem Maße fort.  Ein Gespräch mit Martin Hoffmann, Studienleiter beim Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF),  der diese Angriffe dokumentiert.

Was ist die Datengrundlage?
Martin Hoffmann: Das ECPMF-Team hat zunächst im November und Dezember 2015 alle Übergriffe bundesweit gesammelt und für die Jahre 2014 und 2015 geprüft. Dabei haben wir Pressedatenbanken, Social Media wie Twitter und YouTube, Internetportale, Polizeimeldungen und auch interne Erfassungen aus betroffenen Medienhäusern ausgewertet, außerdem viele betroffene Journalisten direkt interviewt.

Wie haben sich die Angriffe auf Journalisten in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt?
Sie haben in Quantität und Qualität massiv zugenommen. Zwar gab es auch schon vor 2014 immer wieder vereinzelte Angriffe auf Journalisten, diese waren aber in der Regel eine direkte Reaktion auf Recherchen im rechtsradikalen Milieu. 2015 veränderte sich obendrein die Qualität. Nach Beleidigungen und Bedrohungen  scheint sich spätestens seit dem Pegida-Jahrestag im Oktober 2015 Gewalt gegen Journalisten  zunehmend etabliert zu haben. Neu ist, dass wir inzwischen auch ähnliche Übergriffe im Umfeld linksextremistischer Veranstaltungen registrieren.

Ist das ein massiver Anstieg, oder kommt uns das nur so vor, weil mehr darüber gesprochen wird?
Nein, das ist tatsächlich ein massiver Anstieg. Für das Jahr 2014 konnten wir zehn Übergriffe – also Gewalt, gravierende Bedrohungen, schwere Sachbeschädigungen –  gegen Journalisten recherchieren. 2015 waren es bei vergleichbarer Recherche 49 Übergriffe. Diese deutliche Zunahme hängt mit dem Auftauchen der rechtspopulistischen Bewegungen wie Pegida und anderen seit Ende 2014 zusammen.

Einem großen Teil der dort Demonstrierenden gelten Journalisten als „Lügenpresse“, als willfährige Handlanger der Bundesregierung. Journalisten sind damit zum Feindbild für diese Menschen geworden – zu einem richtigen Hassobjekt.

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