Fehlersuche mit dem Helikopter

Er heißt nicht Frank Murphy und fliegt auch nicht den Superhubschrauber „Blue Thunder“ wie einst in einem amerikanischen Actionfilm. Der Job von Siegfried Lange ist dennoch gefährlich. Denn der Pilot kann sich keinen Fehler leisten – sonst droht der Absturz und in Dörfern gehen die Lichter aus.

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27. März 2008, 10:15 Uhr

Lützow - „Hals- und Beinbruch, heißt es bei uns“, sagt Pilot Siegfried Lange. Er setzt Kopfhörer auf und zieht Sekunden später einen 420 PS-starken Hubschrauber in die Luft, überfliegt eine Kieskuhle.
Lange ist nicht wie in dem Film „Das Fliegende Auge“ auf Verbrecherjagd. Er und sein Team arbeiten für die DHD Heliservice GmbH und richten ihr Augenmerk auf das Leitungsnetz der Wemag AG. Die Kontrolleure inspizieren 20-kV-Freileitungen. Dafür fliegen sie mit durchschnittlich 15 km/h die Stromtrassen entlang – fünf Meter Mindestabstand.

„Unser Auge ist auf Unregelmäßigkeiten geschult“, sagt Lange. Wenn er und sein Team einen beschädigten Isolator entdecken, notieren sie das auf Protokollblättern. Sie vermerken jede kleinste Unregelmäßigkeit, auch ob ein Specht einen Holzmast beschädigte. „In Einzelfällen kommt es schon mal vor, dass sich ein Specht einen der wenigen Holzmasten zum Wohnungsbau aussucht. Im schlimmsten Fall müssen wir solch einen Mast ersetzen“, verdeutlicht Netzmeister Gunther Kerber.

Etwa 3500 Kilometer Leitungen kontrolliert das Heliservice-Team in den nächsten Tagen in Westmecklenburg und Teilen Brandenburgs und Niedersachsens. „Ein Wemag-Mitarbeiter bräuchte etwa ein Jahr dafür. Und manchmal käme er gar nicht dorthin, wo er hin müsste, weil Felder unter Wasser stehen“, verdeutlicht Netzmeister Gunther Kerber.

Maximal vier Stunden kann Hubschrauber „Hughes 500“ in der Luft sein. Dann muss er auf dem Stützpunkt Lützow landen. Das Gelände der Holztreppen-Herstellers Derstappen ist das Basiscamp inklusive Tankstation – bis zu 100 Liter Kerosin verbraucht der Helikopter pro Flugstunde.
Die Jungs, die für den Energieversorger in die Luft gehen, sind keine Anfänger. Sie inspizieren seit Jahren Stromtrassen und einen Teil des Pipeline-Netzes in Deutschland. An den Haken ihrer Helikopter nehmen sie auch schon mal meterlange Baumsägen und übernehmen spektakuläre Forstarbeiten in schwer zugänglichen Gebirgsregionen.

Statt Megasägen haben sie über Westmecklenburg digitale Spezialtechnik dabei. Denn die Wemag nutz die Kontrollflüge auch dafür, GPS-Daten ihrer Stromtrassen zu ermitteln. Dadurch können die Energieversorger ein noch detaillierteres Kartenwerk ihres Stromnetzes erstellen. Für eventuelle kurzzeitige Lärmbelästigungen während der Flüge bittet der Energieversorger um Verständnis. „Die Inspektionen der Stromtrassen sind in der Regel alle vier Jahre notwendig, um eine möglichst störungsfreie Energieversorgung zu gewährleisten“, erklärte ein Wemag-Sprecher. Nach seinen Angaben werden derzeit die Bereiche Gadebusch, Rehna und Carlow untersucht. In der ersten Aprilwoche finden die Inspektionsflüge dann im östlichen Schweriner Umland über Crivitz, Brüel, Warin und Ventschow statt.

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