Richteramt in Brandenburg : Fast nur Bewerberinnen

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In diesem Jahr feiern die Gerichte in Brandenburg ihr 20-jähriges Bestehen. Vieles ist geschafft, doch es drohen neue Probleme.

svz.de von
09. Dezember 2013, 17:28 Uhr

Die Aufbaujahre sind vorbei: Zum 20-jährigen Bestehen des brandenburgischen Oberlandesgerichts zieht dessen Präsident Wolf Kahl eine positive Bilanz. „Wir sind inzwischen ein ganz normales mittelgroßes Oberlandesgericht“, sagte der gebürtige Kölner Kahl. Der 63-Jährige hat das Gericht nach der Wiedervereinigung mit aufgebaut. Marion van der Kraats sprach mit ihm.

Wie bewerten Sie die Ausstattung Ihres Gerichts beziehungsweise der untergeordneten Justiz?
Wolf Kahl: Die technische Ausstattung ist wirklich gut. Wir haben die aktuellste Computertechnik für die Bearbeitung und Verwaltung von Akten. Auch personell sind wir im Moment noch ganz gut aufgestellt. Das Oberlandesgericht hat vor 20 Jahren mit 37 Richtern und rund 50 Mitarbeitern im nichtrichterlichen Dienst angefangen; heute sind es 66 Richter und 144 Mitarbeiter. Im Moment steht Brandenburg gut da im bundesweiten Vergleich.
Sie sind also zufrieden?
Nein, mir macht der Nachwuchs Sorgen. Wir wissen genau, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Richter in Pension gehen. Wir werden aber nicht mehr genug qualifizierten Nachwuchs bekommen, wenn wir jetzt nicht damit anfangen, einzustellen. Im mittleren Dienst, also beispielsweise bei den Geschäftsstellen, hat es in den vergangenen 13 Jahren keine Einstellungen mehr gegeben.

Dass sich das hohe Durchschnittsalter so konzentriert, ist ein spezielles Problem der Justiz in den neuen Ländern. Alle haben nach 1990 ganz viele etwa gleichaltrige Leute eingestellt, danach aber kaum noch. In Brandenburg ist es nun wenigstens gelungen, durch neue Berechnungen noch Möglichkeiten für Neueinstellungen zu finden: Noch in diesem Jahr und den folgenden gibt es beispielsweise jeweils fünf Richterstellen.
Ist es schwierig, diese zu besetzen?
Ja, weil die Gehaltsentwicklung stark auseinandergegangen ist. Das gilt zum einen für die einzelnen Bundesländer, seitdem die Zuständigkeit unter anderem für die Besoldung vom Bund auf die Länder übergegangen ist. So zahlt beispielsweise Bayern am besten, Berlin am schlechtesten. Auch Brandenburg landet auf einem der hinteren Plätze. Hinzu kommen die großen finanziellen Unterschiede zwischen Gerichten und der freien Wirtschaft. Wir haben fast nur Bewerberinnen, weil sich das Richteramt gut mit Familie und Kindern vereinbaren lässt. Die Männer gehen in die Anwaltskanzlei, weil sie dort mehr Geld verdienen.
Sie haben sich im Zusammenhang mit der Polizeireform gegen eine Schließung weiterer Amtsgerichte ausgesprochen. Gehen sie davon aus, dass es vorerst bei den 25 Standorten bleibt?
Das entscheiden die Eingangszahlen und die Bevölkerungsdichte. Es wird angesichts der demografischen Entwicklung sicherlich Standorte geben, die nicht mehr sinnvoll sind. Die Entscheidung muss aber von der Justiz kommen. Im Rahmen der anstehenden Kommunalreform wird das Thema Amtsgerichtsreform aber wieder auf den Tisch kommen - da bin ich mir ganz sicher.

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