Fast alle gegen Windkraft-Eignungsfläche bei Linstow

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09. April 2008, 07:32 Uhr

Dobbin-Linstow - „Wir begrüßen den Einsatz von regenerativen und alternativen Energien, allerdings nicht um jeden Preis“, stellt Ulrich Seidel für den Unternehmerverband Rostock und Umgebung klar und sichert den Einwohnern von Linstow Unterstützung im Kampf gegen den geplanten Windpark zu. Gerade in Linstow sei offensichtlich, dass die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes, des Wohnens und vor allem des Tourismus nicht vorrangig berücksichtigt worden seien. Dabei bemängelt der Verbandschef besonders, dass dem Van der Valk Resort „eine solche Anlage vor die Tür gesetzt“ werde. Die Folge sei eine Kette, an deren Ende der Abbau von Arbeitsplätzen in der Region stehe. Und mit Blick auf die Gewerbesteuer, mit der die Gemeinde eventuell liebäugeln könnte, warnt Seidel: „Nur in ganz seltenen Fällen blieb die Gewerbesteuer in den vergangenen Jahren in den entsprechenden Gemeinden.“

500 000 Übernachtungen im Jahr gefährdet

Entschiedenen Protest gegen die Windpark-Pläne bekundet der Vorstand des Vereins „Krakower Seenland Tourismus“. In dem von Vorstandsmitglied Uta-Gesine Schlang unterzeichneten Schreiben heißt es: „Der Konflikt zwischen der touristischen Entwicklung unserer Ferienregion inmitten dreier Naturparke und der unübersehbaren Präsenz eines Windparks wäre unvermeidbar und folgenschwer.“
Der Verein warnt vor den Folgen für die mit 2500 Betten größte Ferienanlage Mecklenburg-Vorpommerns und macht folgende Rechnung auf: „Mit zirka 500 000 Übernachtungen wird das Resort 2008 nach eigenen Angaben eine Auslastung von rund 80 Prozent realisieren. Das ist im Vergleich zum Landesdurchschnitt – zirka 40 Prozent – mehr als herausragend.“ In der Verwirklichung der Windpark-Pläne sieht der Vorstand nicht nur eine Gefahr für das Resort, sondern für die gesamte Region.

Ein Kilometer in Linstow, 17 im Land Fleesensee

Mit dem Abstand des Windparks zum Van der Valk Resort befasst sich die SPD-Fraktion der Krakower Stadtvertretung. Er betrage laut Fraktionschef Willibald Kreibich einen Kilometer. „Damit ist es dem Regionalen Planungsverband gelungen, die größte Ferienanlage und das größte neu ausgewiesene Eignungsgebiet für Windenergieanlagen unmittelbar nebeneinander zu postieren“, meint er lakonisch. Der Abstand zur Ferienanlage Land Fleesensee betrage immerhin noch 17 Kilometer, vergleicht er. Außerdem vermisst die Fraktion, was die benachbarte Planungsregion Mecklenburgische Seenplatte für ihr Gebiet aufstellte: das Kriterium „Tourismusschwerpunkträume“. Die Stadtvertretung werde sich noch zu dem Windpark-Vorhaben positionieren, verspricht Bürgermeister Wolfgang Geistert.

Unterschriftensammlung gegen den Windpark

Bereits Stellung bezogen hat der Heimatverein Linstow, der Widerspruch gegen die Windenergiepläne eingelegt hat. Die Linstower verweisen auf Projekte wie die Badestelle am See, das Gutshaus, das zur Zeit zur Pension ausgebaut wird, und auf die Erweiterung des Museums um die Bildungsscheune. Alle diese Maßnahmen dienten dem Ausbau des Tourismus, den die Vereinsmitglieder nun gefährdet sehen. Der Heimatverein kündigt eine Unterschriftensammlung gegen das Vorhaben im Dorf an. „Wir müssen alles daran setzen, dass Groß Bäbelin/Linstow im zweiten Entwurf nicht mehr als Eignungsraum ausgewiesen wird“, sagt Vereinschef Johannes Herbst.

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