Holi-Festival : Farbenexplosion und Prügel

Sie schmieren sich so viel Farbe ins Gesicht, bis sie leuchten.   Fotos: EPA/JAIPAL SINGH
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Sie schmieren sich so viel Farbe ins Gesicht, bis sie leuchten. Fotos: EPA/JAIPAL SINGH

Auch in Schwerin macht das Holi-Festival im Sommer Station: Tausende Menschen bewerfen sich dann mit bunten Pulvern. Doch was steckt hinter dem farbenfrohen Fest?

svz.de von
16. März 2014, 21:30 Uhr

Dicht gedrängt sitzen Hunderte Menschen auf dem Boden des Radha-Raman-Temel in Vrindavan im Norden Indiens. „Krishna, warte, lass mich ein paar Farben auch Dich werfen“, singen sie lauthals. Dann läutet ein Tempel-Junge die Glocke. Alle springen auf, klatschen in die Hände, der Vorhang geht auf, die schwarze Statue des Gottes Krishna erscheint, die Farbenexplosion beginnt.

Immer und immer wieder greifen die Hindu-Priester in die riesigen Schüsseln und werfen von der Bühne Farbpulver in die Menge: rosa, gelb, rot, grün. Die Staubwolken legen sich über die Gläubigen, bedecken ihre Haare, bleiben in den Wimpern hängen und färben die weißen Gewänder für immer bunt. Die Menschen tanzen ausgelassen, werfen ihre Hände in die Höhe, über ihnen blinken Lichterketten an Tempel-Balkonen aus dem 16. Jahrhundert.

„Das ist die Explosion der Verzückung“, sagt Shrivatsa Goswami, Guru und Priester am Tempel. Seit einer Woche feiern Gläubige das Frühlingsfest Holi an diesem heiligen Ort in Vrindavan, wo sich laut Tradition einst Lord Krishna mit den Gopis, den Hirtenmädchen, vergnügte. Heute werden Hunderte Millionen Menschen in Nordindien in die Feierlichkeiten mit einsteigen, sich mit Farbpulver bewerfen und mit buntem Wasser bespritzen.

„An Holi darf jeder ein bisschen närrisch sein, die Regeln brechen, sich unartig benehmen, flirten – und alle lachen, ohne ersichtlichen Grund“, sagt Saloni Puri, deren Shirt schon mit allerlei Klecksen bedeckt ist. Gerne helfen die Menschen auch nach, indem sie die während der Feierlichkeiten legale Hanfzubereitung Bhang essen oder trinken, eine braun-grüne Paste aus zerstoßenen Cannabisblättern mit Mandeln und Gewürzen.

„Es geht bei dem Fest um Wiedergeburt und Erneuerung“, erklärt der Mythologe Devdutt Pattanaik. Denn die Farben dienen als Gleichmacher. Egal ob alt oder jung, hohe oder niedrige Kaste, reich oder arm – alle sehen bunt aus, die sozialen Schranken sind aufgehoben. So wird das Festival zur Kraft, die die Gesellschaft zusammenhält. Und nach dem Frühlingsfest müssen alle die Farben abwaschen – das symbolisiert die Reinigung und die Befreiung von der Last des alten Jahres.

Außerdem ist während der verrückten Tage vieles verkehrt. In Vrindavan und anderen Orten ziehen Gruppen von Frauen in roten und pinkfarbenen Saris durch die Gassen, mit Stöcken in der Hand.

Sie verprügeln alle Männer, die ihren Weg kreuzen. „Das ist die Rache von Krishnas Geliebten“, sagt der Kulturmanager Himanshu Verma. „Das ganze Jahr über spielt Gott Krishna Possen, zerbricht Geschirr und neckt die Frauen. Nun rächen sie sich.“

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