Fahrschüler in Kiel klüger als in Schwerin?

Foto:

Nirgendwo in Deutschland scheitern mehr Fahrschüler in der theoretischen Führerschein-Prüfung als in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Von den 24 970 Bewerbern, fielen 37,7 Prozent durch.

svz.de von
09. Dezember 2013, 20:32 Uhr

Nirgendwo in Deutschland scheitern mehr Fahrschüler in der theoretischen Führerschein-Prüfung als in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Von den 24 970 Bewerbern, die im vergangenen Jahr zwischen Boizenburg und Ueckermünde zur Prüfung antraten, fielen 37,7 Prozent durch. Nur in Sachsen-Anhalt war die Versagerquote mit 39,1 Prozent noch höher, geht aus einer jetzt veröffentlichten Statistik des Kraftfahrzeugbundesamtes (KBA) in Flensburg hervor. Zum Vergleich: In Schlewig-Holstein fielen nur 25,9 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung. Den bundesweit besten Wert erreichte Hessen mit 23,6 Prozent. Im Bundesdurchschnitt rauschten 28,9 Prozent der Fahrschüler durch. Die Prüfungsfragen sind bundesweit einheitlich.

Sind Fahrschüler in Mecklenburg-Vorpommern also dümmer als im Rest der Republik? Deutschlands größter Automobilclub ADAC verneint und sieht die Schuld eher bei den Fahrlehrern. „Denkbar, dass es in der Qualität der Ausbildung Unterschiede gibt“, sagte ADAC-Sprecher, Christian Hieff, in Hamburg.

Das will der Fahrlehrerverband des Landes nicht gelten lassen. „Die Qualität der Fahrschulausbildung ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht schlechter als in anderen Bundesländern“, sagte der Landesvorsitzende Helmut Bode. Sie habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das würden turnusmäßige Kontrollen der Ordnungsämter belegen. Der Fahrlehrerverband hat im vergangenen Jahr eine Untersuchung bei der Universität Dresden in Auftrag gegeben, um die Ursachen für die schon seit Jahren hohe Durchfallerquote in der Theorieprüfung zu ermitteln. Doch die Analyse habe leider keine verwertbaren Ergebnisse gebracht, sagte Helmut Bode.

Die Fahrlehrer vermuten die Ursachen vielmehr im Bildungssystem des Landes. Mecklenburg-Vorpommern ist seit Jahren auch das Land mit den meisten Schulabbrechern an allgemeinbildenden Schulen. Im vorigen Jahr gingen 11,9 Prozent der Schulabgänger ins Leben, ohne die Berufsreife erreicht zu haben. Auf Platz zwei lag Sachsen-Anhalt mit 11,3 Prozent.

In der Fachabteilung Fahrerlaubniswesen der Dekra Schwerin sieht man dagegen durchaus auch Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Fahrschulen in der Region. Es falle auf, dass in einigen Schulen 85 Prozent der Fahrschüler die theoretische Prüfung bestehen, in anderen seien es dagegen lediglich 35 Prozent, hieß es dort.

Bei der praktischen Fahrerlaubnis-Prüfung sieht es in Mecklenburg-Vorpommern nicht ganz so schlecht aus. Von den 23 000 Bewerbern fielen 31,6 Prozent durch. Hier sind Hamburg mit einer Versagerquote von 39,3 Prozent, Sachsen-Anhalt von 35,5 Prozent und Bremen von 35,4 Prozent die Schlusslichter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen