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12. Dezember 2017 | 20:55 Uhr

Fährfahrer: Wartezeit ist zu langweilig

vom

svz.de von
erstellt am 13.Dez.2011 | 07:17 Uhr

Rostock | Mehr Fährpassagiere und damit mehr Profit für die ganze Region - das sind die Ziele der Hafenentwicklungsgesellschaft Rostock (Hero). Dazu allerdings muss sie beim Service nachrüsten. Denn in einer Studie des Ostseeinstituts für Marketing, Verkehr und Tourismus unter 1000 Reisenden bewerteten diese die sanitären Einrichtungen, das Gastronomieangebot und die Einkaufsmöglichkeiten rund um das Fährterminal nur mit der Note befriedigend. Auch lange und langweilige Wartezeiten wurden angeprangert. Vorbildlich hingegen sei die Abfertigung.

"In der Summe sind wir wegen der vielfältigen Bautätigkeiten zufrieden mit den Ergebnissen", sagt Hero-Geschäfstführer Dr. Ulrich Bauermeister. Der Studie zufolge ließen die rund zwei Millionen Fährfahrer im laufenden Jahr 41,6 Millionen Euro in der Hansestadt. Das sind 6,4 Millionen Euro weniger als noch 2004. Dabei hat sich der Umsatz im Bereich der Dienstleistungen seitdem auf 18,6 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Und auch die Ausgaben für Übernachtungen sind von 2,9 auf 5,3 Millionen Euro gestiegen.

Scandlines-Markt fehlt noch die Akzeptanz

Verantwortlich für die Einbußen ist demnach der Warenverkauf, der von 39,1 auf 17,7 Millionen Euro geschrumpft ist. Das führt Bauermeister vor allem auf den geschlossenen Bordershop an der Kaikante zurück. Der im Mai eröffnete Scandlines-Ersatzbau habe aber das Potenzial, diese Lücke wieder zu schließen, trotz seiner etwas abgelegenen Lage. Verkaufsshops direkt an den Anlegern scheiterten vor allem am Widerstand der Reedereien. Für sie ist das Geschäft auf den Schiffen attraktiver.

Die Wirtschaftskraft erhöhen könnten steigende Passagier- und Frachtzahlen. Doch gerade Lkw aus und nach Skandinavien sind zuletzt immer mehr auf die Alternativroute über das polnische Swinemünde ausgewichen. Gründe sind die bis zu 30 Cent pro Liter billigeren Dieselpreise und die Maut auf deutschen Autobahnen. "Swinemünde ist günstiger, dafür ist Rostock schneller", sagt Bauermeister. Allerdings habe die Route zwischen der Hansestadt und Gedser im laufenden Jahr auch unter unzuverlässigen oder vollen Fähren gelitten. Ab 2020 droht Rostock zudem Konkurrenz durch eine feste Fehmarn-Belt-Querung. Knapp 42 Prozent der befragten Fährfahrer gaben an, den geplanten Tunnel nutzen zu wollen.

Ausschlaggebend dabei sei laut Benkenstein die wegfallende Wartezeit: "Das Motiv hat im Vergleich zur vergangenen Umfrage 2008 deutlich zugenommen." Die Reedereien müssten deswegen ihre Stärken mehr in den Vordergrund stellen. "Die Fährfahrten sind Minikreuzfahrten, die sich ab 2012 mit den neuen Schiffen auf der Linie Rostock-Gedser noch besser verkaufen lassen", sagt Benkenstein. Außerdem könnten sich die Passagiere entspannen und erholen, statt selbst hinterm Steuer sitzen zu müssen. Rostock habe im Vergleich zu anderen Häfen zudem den Vorteil der ausgezeichneten Autobahn-Anbindung über die A 19.

60 Prozent der Passagiere sind Urlauber

Aber: "Im Gegensatz zu einer Kreuzfahrt wollen die Leute eigentlich gar nicht Fähre fahren, sondern nur in ihr Ferienhaus", sagt Benkenstein. So werde das Wasser vor allem von den 60 Prozent Urlaubern als lästiges Hindernis wahrgenommen. Das gelte aber auch für die 13 Prozent Geschäftsreisenden und 17 Prozent Lkw-Fahrer. Ausbaufähig sind die Tagesausflügler und Einkaufstouristen mit zwei beziehungsweise drei Prozent. Die Reedereien hätten aber kein Interesse daran, Pkw-Fahrer zu Fußgängern zu machen - die zahlen weniger.

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